Paul Schebesta,
›Die religiösen Anschauungen der Semang-Zwerge von Malaya‹


Man muß die Kirche aufsuchen, wo sie zu Hause ist. ›Die religiösen Anschauungen der Semang-Zwerge von Malaya‹ von Paul Schebesta (erschienen bei L. Schwann in Düsseldorf), ein dünnes Heftchen. Und eine Fundgrube.

Der Verfasser hat als Missionar diese unwegsamen Urwaldgegenden durchforscht und höchst beachtenswertes Material nach Hause gebracht; das Heft ist nur ein Auszug aus einem größern Werk. Es handelt sich um die kleinen Pygmäenstämme, die nach allgemeinen Begriffen wohl am tiefsten unter allen primitiven Stämmen stehen. (Man sollte nach 1914 nie mehr ›Wilde‹ sagen.) Was an diesem Bändchen für den Psychoanalytiker herausspringt, geht gar nicht in eine Buchbesprechung. Und was an ungewolltem Humor herausklingt, fiele, wenn ich es genau erörterte, gradenwegs in den Rachen des § 166 und vor die Kammern unsrer Unabsetzbaren. Daher nur einige Andeutungen, die sich der gütige Leser selber ausmalen möge.

Von einer Mythe der Urwaldzwerge: »Diese Mythe erklärt dem Kenta-Semang alles zur Zufriedenheit, so dass er kein Bedürfnis mehr fühlt, zu fragen: woher der Schlamm, woher der Mistkäfer, woher der Bär. Die sind eben da.« Guck doch mal rasch nach, wie der kosmologische Gottesbeweis geht ... Der Missionar hat sich zwar an keiner Stelle aufgeblasen, aber er fühlt auch ebensowenig, wie alle Religionen ein System durchzieht, wie keine davon ausgenommen ist, seine auch nicht. Daß diese Weltanschauung sich Religion nennt, rührt daher, dass sie sich ausgenommen wähnt. Man sagt uns immer nach, wir höhnten. Wir höhnen gar nicht. Wir verbitten uns nur, dass man uns Anschauungen aufzwingt. Auch wir müssen sterben, wie die Semang-Zwerge; das verbindet uns mit ihnen. Wir wollen aber klarer denken als jene – das trennt uns von ihnen. Und nicht nur von ihnen.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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