›Roda Rodas Roman‹


Und nun wollen wir uns gar nicht mehr ééérgern, sondern uns einmal aus Herzensgrund freuen. Ich habe ja schon oft gesagt, dass ich das Wettrennen um die ›Neuerscheinungen‹ nicht mitmache – es ist mir ganz gleich, wann ein Buch erschienen ist ... traurig, dass durch diese alberne Hetzerei das Buch vom vorigen Monat nicht mehr gekauft wird, weil es nicht ›neu‹ ist.

›Roda Rodas Roman‹ ist nicht neu; das Buch (im Drei Masken-Verlag in München erschienen) ist fünf Jahre alt. Und frisch wie am ersten Tag.

Nein, nicht was Sie meinen. Gar keine Sammlung von Anekdoten. Wobei denn immer mal wieder zu bemerken wäre, wie unrecht man Rodan damit tut, wenn man ihn etwas geringschätzig auf ›nur Anekdoten‹ festnageln wollte. Nur? Der Mann hat der Anekdote unsrer Zeit ihre Form gegeben; niemand – auch ich nicht – könnte so exakt-salopp erzählen, wenn er uns das nicht gezeigt hätte. Sein Deutsch ist musterhaft, sein Stilgefühl unbeirrbar; er ist ein Wunder an Erzählertechnik, Sein Buch aber ist keine schämig verhüllte Witzblattsammlung. Es ist wirklich die Geschichte eines Lebens – eines Männerlebens.

Zugegeben, dass sicherlich viele dunkle Seiten fehlen – peinliche und langweilige, böse und bittere. (Obgleich auch solche darin sind.) Erinnerungen, besonders die lustigen, leuchten ja immer so bunt, wie sie nie gewesen sind – es fehlt nämlich dahinter der graue Zeitteppich von belanglosen Wochen, in denen nichts geschah ... Aber in diesem Buch Rodas ist nun einmal ganz, was diese lächerlichen Helden von der rechten Seite – Bronnen, Salomon, Schauwecker und alle die andern – vergeblich zu schildern suchen, weil sie es nicht sind: hier spricht ein Mann. Wenn diese Kerle das Wort ›Mann‹ sagen, dann schütteln sie immer die ... aber das allein ists nicht. Bei Roda ist der männliche Humor, jener Klamauk, der nur unter Männern gedeiht; hier wird gesoffen und geritten, geliebt und gefochten, und wenn auch von der sozialen Struktur dieser eigenartigen österreichischen Armee wenig zu spüren ist –: das ist eines der wenigen Soldatenbücher, die unsereiner lesen kann. Österreich ist nicht Preußen ... Barock ist da und der Katholizismus ist da. Landwein und ein linderer Himmel – man riecht, man schmeckt, man trinkt das Buch, Aus tausend Einzelheiten nur eine: Die Truppe kommt im Manöver durch ein kleines Bad, Daruwar. Halt und kurze Rast. Eine Frau sieht aus einem Villenfenster. Der Leutnant Roda bittet um Wasser. Und geht hinein. Und bekommt das Wasser und alles andre, in den paar Minuten. Und wie das erzählt ist, in zwanzig Zeilen, hingehauen, lustig, ohne die leiseste Spur von Hahneneitelkeit –: so ist der ganze Mann. Dazu Ansätze von Weisheit, wie sie nur die Nähe des Orients erzeugen kann, vom Unwert der Zeit, vom Unwert des Ruhms ... das sei für jeden, der lesen und leben kann, ein Lieblingsbuch. Die große Liebesepisode in der zweiten Hälfte gebe ich gern ab. Alles andre aber habe ich wohl schon viermal gelesen, und man wird nicht dümmer davon.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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