S. M. von Propper,
›Was nicht in die Zeitung kam‹


Das nächste Buch ist ›Was nicht in die Zeitung kam‹ von S. M. von Propper (erschienen bei der Frankfurter Societäts-Druckerei in Frankfurt am Main). Probe und Beispiel, wie ein Journalist nicht sein soll, wie eine Presse nicht sein soll ... ich erwähne das Buch nur so nebenbei, weil es einen Typus darstellt. Der Waschzettel meint, das sei ein »Kompendium weltgeschichtlicher Anekdoten, ein Blick hinter die Kulissen ... « Mitnichten. Es steht etwa auf der Stufe jener ›amüsanten genfer Anekdoten‹, über die sich die Auguren halb tot lachen, und die ihnen deshalb witzig vorkommen, weil die handelnden Personen so oft durch den Fettdruck der Zeitungen gezogen worden sind. Eine Geschichte wird nicht dadurch besser, dass Calonder in ihr eine Rolle spielt – das sind Schulwitze. Jedes Milieu versteht nur seinen eignen Humor. Dieser Propper, der in Petersburg gearbeitet hat, erstirbt nun vor der Größe der damaligen zaristischen Machthaber und überbietet sie durch eine unerträgliche Wichtigtuerei. Typisch für diese Sorte Journalismus, den es auch heute noch in zahlreichen und wenig schönen Exemplaren gibt, ist seine Neigung, nicht nur zu referieren sondern die Weltgeschichte gleich ein bißchen mitzumachen. Er dampft vor Eifer, und der Politiker läßt die Herren lächelnd machen. Und nutzt sie aus. Dafür kriegen sie dann eine ›Nachricht‹. Ach, diese überschätzten Nachrichten ... ! Wie das grade immer nur für einen halben Tag gilt, diese Sensationen, dieses Allerneuste, diese ›Bombe, die in der Sitzung geplatzt ist‹ ... ! Einen Tag später kümmert sich kein Mensch mehr darum. Propper hat vieles gesehen und nichts. Kein Blick, kein Aspekt, kein Horizont. Aber lauter klitzekleine Klatscherein, Durchstecherein, Intrigen, hinterbrachte Nachrichten, Diskretionen, Indiskretionen ... das ist nichts.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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