Wera Figner, ›Nacht über Rußland‹


Der Hotelnachttisch ist so klein – da liegt noch viel auf dem Boden. Herauf mit dir ... »Sag mal ... « Lieschen – wenn du mich noch einmal störst, wirst du ausgestopft! »Ich dich stören? Das ist ja großartig! Du liest hier die halbe Nacht ... « Gedenkst du noch der schönen Maientage, da die Liebe uns beseligt hat ... ? »Jetzt singt er auch noch. Weck die Leute hier nicht auf!« Ja, wickel dich nur in deine Decken ... Also da ist Wera Figner. Es ist die große Ausgabe, in der alle drei Teile des Werkes zusammen enthalten sind. ›Nacht über Rußland‹ (erschienen beim Malik-Verlag in Berlin). Bekannt – und immer wieder ergreifend. Das sieht denn doch anders aus als unsre nationalistischen Märtyrer, die kaum welche sind. Was riskieren sie denn? Erst werden sie nicht verhaftet; und wenn sie verhaftet werden, reißen sie aus; und wenn sie nicht ausreißen, werden sie nicht verurteilt; und wenn sie verurteilt werden, werden sie begnadigt. Und dann bekommen sie eine Stelle bei irgend welchen Grundbesitzern oder Industriekerlen ... Wera Figner war ein ganzer Mann. Das Buch solltet ihr euch alle aufbauen.

»Also, Peter – Ultimatum: Willst du jetzt schlafen?« – Ich will. Ich kann nicht. – »Warum kannst du nicht?« Weil ich jetzt ein ohnanständiges Buch beim Wickel habe ... »Ferkel.« Lieschen, das sind keine Ausdrücke für eine junge Frau. Was weißt du überhaupt, was in mir als Mutter vorgeht ... nein, das mußt du eigentlich sagen. Na, schlaf man.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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