Max Oederlin, »Marsch im Jura 1916/17«


Zwei halbe Kriegsbücher: eines von einem schweizerischen Soldaten, zu lesen braucht man es nicht, aber anblättern und lachen kann man schon. »Marsch im Jura 1916/17« von Max Oederlin (erschienen bei Grethlein & Co. in Zürich). Das Buch ist deshalb so unwiderstehlich komisch, weil dieser Herr Soldat gar nicht gefühlt hat, wie nichtig seine Manöver und Biwakabenteuer neben dem Krieg gewesen sind. Wenn er noch gute Grenzschilderungen gegeben hätte! Nichts davon. Die harten Krieger, die natürlich im Ernstfall genauso gute Soldaten wie die Deutschen gewesen wären, spielen hier schweißgebadet Billard und trinken manches Glas Bier.

Wenn schon von der Schweiz im Kriege die Rede ist, dann halte man sich an andre Zeitdokumente.

»Grenzwachkompagnie 58/III. Lieber Freund! Vier Wochen lang lag ich bei der Ruine Landskron. Es ist in der Nähe von Basel. Von dort aus kam ich ins erste Treffen, weil Franzosen durch das Leimental nach Basel und weiter durch die Schweiz marschieren wollten. Es kam ihnen böse zu stehn. Du kennst meine Ansicht wie ich die Deine. Leider war ich grade auf Patrouille und war der erste, der die roten Hosen bemerkte. Ich hatte nur vier Mann bei mir, was tun? Ich sträubte mich zu schießen, so rief ich die Kerle an, zurückzugehen. Erst verstand die Bande nicht Deutsch, dann kamen sie näher, und plötzlich stoßen sie auf uns. Zwei Kameraden fielen, mich selbst wollte die Gesellschaft lebendig haben. Ich hatte aber keine Lust zum Mitgehen, und Du weißt, ich habe manche Auszeichnung im Schießen geholt. Es ist allerdings ein bitteres Gefühl, schießen zu müssen. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, dass die ersten Schüsse treffen können, so besudelt ist man. Zudem kommt man in kalten Schweiß, und erst nach und nach überlegt man genau.«

Das ist zitiert nach den »Kriegsdokumenten«, die Eberhard Buchner gesammelt hat (erschienen bei Albert Langen in München, zu einer Zeit, als der Verlag noch nicht nationalistisch war). Diese Bände zu durchblättern, das ist eine sehr nachdenkliche Lektüre. Es wäre möglich, beinah neben jede Meldung die Wahrheit zu setzen; das Ganze wirkt wie das mißtönende Geschrei aus einem Irrenhaus. Eine Fundgrube für Zeitungsleute, die ihre Sache ernst nehmen.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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