Karls letzter Putsch


Ein fescher Trottel mit der samtnen Kappen,

so möcht das durch die Weltgeschichte tappen –

    denn außer Kaiser hat er nichts gelernt.

Am liebsten tät er alleweil regieren.

Geh her – man muß ihm gar net ignorieren!

    Nur schade, dass ein Henker ihn entfernt.

        Das schickt Millionen in die Schützengräben,

        schreibt faule Briefe und bleibt selber leben

            und zappelt heute noch dem Throne zu ...

                    Servus du –!

 

Die Majestät kam leider stark herunter.

Einst ging die Sonne in dem Reich nicht unter.

    Heut steht ein Dollar hoch am Firmament.

Die Krone fiel. Und fällt und fällt aufs neue.

Der Wiener hält der Republik die Treue –

    und Horthy kämpft als Karlchens Konkurrent.

        Das Zepter, das einst so viel Macht verlieh

        schwingt Habsburgs letzter reisender Kommis.

 

Karl Huckebein – Sie sind gewiß dramatisch.

Ach, lieber Herr, du bist uns so sympathisch,

    und du hast tausend Freunde auf der Welt:

Das ganze Volk der Schlächter und Soldaten,

Blutspekulanten, arbeitslose Potentaten –

    sie warten alle, wie dein Würfel fällt.

Sie warten alle auf die großen Zeiten,

wo Generale übers Brachfeld reiten,

wo Proletarier wieder stumm verrecken,

wo Taschen wieder voll von Geldern stecken,

wo Reklamierte Siegestore meißeln,

wo Stäbe wirken wie die Gottesgeißeln ...

    Was sich heut grollend ins Zivil geduckt hat,

    weils Gott der Herr im Zorne ausgespuckt hat:

        das alles winkte dir voll Hoffnung zu.

            Heil dir im Siegerkranze!

Servus du –!

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 03.11.1921, Nr. 44, S. 449.





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