Hans Hyan, ›Sexualmörder in Düsseldorf‹


Ganz zu unterst liegen auf dem Nachttisch zwei zu bejahende Erscheinungen. Ja für die eine – Jubelgeschrei für die andre.

Ja: zu ›Sexualmörder in Düsseldorf‹ von Hans Hyan (erschienen im Verlag der Neuen Gesellschaft, ohne Ortsangabe). Ein wildes Umschlagbild als erlaubte Reklame – eine ruhige und vernünftige Broschüre. Hyan ist den düsseldorfer Mordfällen nachgegangen; er wertet sie, als ein guter Kenner der Kriminalpraxis, keineswegs sensationell aus, sondern er spürt den Gründen der polizeilichen Mißerfolge nach. Diese Gründe sind: Angst vor der Publizität, Eifersucht der Ressorts, Beamtendünkel und: es fehlt eine Einrichtung, die den in Frankreich bereits vorhandenen fliegenden Kriminalbrigaden entspricht, solche, die von der Zentrale ins Land gesandt werden – und zwar mit den nötigen tatsächlichen Vollmachten und Vorrechten, die den berliner Kommissaren fehlen. Hyan spricht dann von dem Krebsschaden, der nicht nur die Kriminalpolizei angefressen hat: Vorgesetzte kommen von der Seite in die Unternehmen, fast niemals von unten. So wird der Ehrgeiz der Dienenden getötet, die nun bloß noch gleichgültig am Pult hocken, weil es »ja doch keinen Zweck hat« – die Praxis hat den Fehler des unbeirrbar stumpf sinnigen Aberglaubens an die Tüchtigkeit der ehemaligen Offiziere und der Juristen, der wahren Exponenten der herrschenden Klasse. Dieser Aberglaube kostet hier Blut. Ließe man die tüchtigen Kriminalassistenten, die heute von den Oeppersten unterdrückt werden, die Leiter hinaufrücken, so belohnte man nicht nur anständige Arbeit, wie es sich gehört –: alle hätten den Vorteil davon. Aber: »Der einfache Mann, der sich von unten heraufgearbeitet, der also auch nicht studiert hat, schafft es nur in den seltensten Fällen.« Hyan verfügt über eine ausgezeichnete Personalkenntnis, die man manchem Reporter wünschen möchte – er erkennt das Gute in der preußischen Kriminalpolizei an, wo es zu finden ist, und er tadelt das Unzureichende. (Wie es in den kleinstaatlichen Polizeiverwaltungen aussieht, wird von unsern Freunden im Lande viel zu wenig beobachtet.) Fazit: Hätte die Kriminalpolizei so viel Fonds und Etatsmittel wie die Reichswehr: es sähe besser im Lande aus. Und hätte sie gar die Mittel, die diese Reichswehr vertut, statt der Reichswehr: es sähe besser in Europa aus. Hyan hat mit dieser Broschüre ein sehr verdienstliches Werk getan.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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