E. J. Gumbel, Berthold Jacob, Ernst Falck,
›Verräter verfallen der Feme‹


Irgendwie bezeichnend für die deutsche Justiz ist ein gradezu vernichtendes Buch: ›Verräter verfallen der Feme‹ von E. J. Gumbel, Berthold Jacob und Ernst Falck (erschienen im Malik-Verlag zu Berlin). Da bleibt einem der Atem weg.

Nämlich vor Schmerz, Wut und Trauer. Nicht so sehr, was da geschehen ist, reizt auf – das wissen wir alle. (Hier ist übrigens der einzige kleine Fehler, den ich im Buch gefunden habe. Wenn da steht, dass Carl Mertens das größte Verdienst an der Aufklärung der Fememorde zukommt, so ist das richtig. Wenn da aber nicht steht, dass er diese Aufklärung nicht hätte geben können ohne den Mut und die Zivilcourage Siegfried Jacobsohns, so ist das unvollständig. Gumbel weiß, wie es gewesen ist.) Was so aufreizt, ist die Behandlung, die diese rohesten aller Verbrechen durch die deutsche Polizei und die deutsche Justiz gefunden haben. Daß Geßler von nichts wußte ... nun, das hat ihm nichts geschadet – so verstehen wir die Ministerverantwortlichkeit. Daß und wie aber die Richter reagiert haben, das darf denn doch wohl schändlich genannt werden. Man sehe sich diese erschütternde Liste am Schluß des sorgfältigen und ruhig geschriebenen Werkes an; bestraft ist kaum einer der Mörder, von den Anstiftern und Beteiligten sind fast alle amnestiert. Während noch Hunderte von kommunistischen Arbeitern, ja sogar noch Kriegsverbrecher‹ aus der Kriegszeit in den Zellen sitzen, laufen diese Burschen, die gekillt haben, frei herum und lachen sich einen. Mit Recht. Die tiefe Blutsverwandtschaft zwischen diesen Richtern und allem, was Militär heißt, ist evident; man hat das ja wieder aus den letzten Prozessen gegen die Nazis gesehen. Ich habe nichts gegen Klassenjustiz; mir gefällt nur die Klasse nicht, die sie macht. Und dass sie noch so tut, als sei das Zeug Gerechtigkeit –: das ist hart. Und bekämpfenswert. Das brillant dokumentierte und sehr gut aufgemachte Werk Gumbels, scharf, klar, sauber und voller intimer Kenntnis des scheußlichen Stoffes, wird dazu mithelfen.





 © textlog.de 2004-2014 •
Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright