Fritz Brupbacher, ›Liebe, Geschlechtsbeziehungen und Geschlechtspolitik‹


Man kommt diesem reaktionären Muff am besten durch frische Hiebe bei.

Die teilt einer aus, ein Arzt, der Doktor Fritz Brupbacher aus Zürich. ›Liebe, Geschlechtsbeziehungen und Geschlechtspolitik‹ (erschienen im Neuen Deutschen Verlag zu Berlin). Hurra!

Es ist nur ein ganz kleines Broschürchen, aber ich wünschte es in hunderttausend Hände. So etwas von frischer Natürlichkeit; von sauberm Empfinden, von Fachkenntnissen ohne Fachprotzerei und Getue – das ist echte und beste Aufklärung. Es vermeidet aufs glücklichste jene entsetzliche und gedunsene Lyrik, jene schwüle Haltung der Liebes- und Ehebücher, die ein gutes Thema so hundejämmerlich schlecht behandeln, Bücher, an denen sich viele unbefriedigte Kleinbürger satt schreiben und andre halbhungrig lesen. Verbieten sollte man das Zeug nicht – auslachen sollte man es. Brupbacher ist alledem aus dem Weg gegangen; er sagt, wie die Dinge wirklich sind. Und er überschätzt die Erotik nicht, er unterschätzt sie nicht: er sieht sie grade richtig. Und belehrt den Leser. Da ist ein Absätzchen über die ewigen Erotomanen, »haltlose Menschen beiderlei Geschlechts, deren Hauptbeschäftigung darin besteht, bei Tag und Nacht, jahraus, jahrein jedermann zu verführen, der überhaupt verführbar ist. Unerfahrene beider Geschlechter fallen auf diese Geschlechts-Reisenden gar oft schwer herein, da diese im Laufe ihrer Wanderungen sich zumeist eine Oberflächenschicht von reizenden Eigenschaften erworben haben, die naiven Gemütern manchmal länger als eine Woche Tiefe, Güte und andre Herrlichkeiten vortäuschen. Man hüte sich, mit ihnen vor Ablauf dieser Woche zu schlafen. Man soll sich zuerst kennen, bevor man sich erkennt. Und nicht erst durch die ›Erkenntnis‹ (im biblischen Sinne) zum Erkennen kommen.« Was mir ein Roman-Thema zu sein dünkt. Lest das Buch und verschenkt es in vielen Exemplaren.





 © textlog.de 2004-2017 •
Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright