Die Lösung


Wenn was nicht klappt, wenn was nicht klappt,

dann wird vor allem mal nicht berappt.

Wir setzen frisch und munter

die Löhne, die Löhne herunter –

immer runter!

Wir haben bis über die Ohren

bei unsern Geschäften verloren ...

     Unser Geld ist in allen Welten:

Kapital und Zinsen und Zubehör.

So lassen wir denn unser großes Malheur

     nur einen, nur einen entgelten:

Den, der sich nicht mehr wehren kann,

Den Angestellten, den Arbeitsmann;

den Hund, den Moskau verhetzte,

dem nehmen wir nun das Letzte.

Arbeiterblut muß man keltern.

Wir sparen an den Gehältern –

immer runter!

Unsre Inserate sind nur noch ein Hohn.

Was braucht denn auch die deutsche Nation

sich Hemden und Stiefel zu kaufen?

Soll sie doch barfuß laufen!

Wir haben im Schädel nur ein Wort:

Export! Export!

Was braucht ihr eignen Hausstand?

Unsre Kunden wohnen im Ausland!

Für euch gibts keine Waren.

Für euch heißts: sparen! sparen!

Nicht wahr, ein richtiger Kapitalist

hat verdient, als es gut gegangen ist.

Er hat einen guten Magen,

Wir mußten das Risiko tragen ...

Wir geben das Risiko traurig und schlapp

inzwischen in der Garderobe ab.

 

Was macht man mit Arbeitermassen?

     Entlassen! Entlassen! Entlassen!

Wir haben die Lösung gefunden:

Krieg den eignen Kunden!

Dieweil der deutsche Kapitalist

Gemüt hat und Exportkaufmann ist.

Wußten Sie das nicht schon früher –?

     Gott segne die Wirtschaftsverführer!

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 25.08.1931, Nr. 34, S. 293.





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