Johannes Wüsten, ›Blutproben‹


Zum Schluß wollen wir uns ein Bildermäppchen ansehn.

›Blutproben‹. Zehn Stiche von Johannes Wüsten (erschienen bei der Volksbühnen-Verlags- und Vertriebs-G. m. b. H., wie kann man nur so heißen! in Berlin NW 40, Platz der Republik 7). Das Heftchen enthält Reproduktionen. Schade, dass sie so nackt herausgekommen sind; das kleine Motto, das Wüsten jedem Blatt vorangesetzt hat, ist allemal sehr treffend – aber textieren hätte das Erich Kästner sollen. Es ist wie für ihn gemacht.

Man denke sich eine Mischung von: Willi Geiger, Grosz, Kubin ... so etwa. Und doch durchaus eigenartig. Und böse, herrlich böse – böse aus enttäuschter Güte. Die drei Betschwestern sind eine blanke Freude; die Trauung ist ein Juwel; das Blatt ›Tot‹ reicht in sehr mysteriöse Tiefen, und die ›Elegie‹ habe ich mir einrahmen lassen. Hier eben fehlt Kästner. Es ist ganz großartig.

Leicht hat es Wüsten nicht. Er lebt in Görlitz; seine Radierungen waren dort ausgestellt, aber plötzlich zog die Museumsleitung drei Blätter zurück. Die hießen, wie der Zufall spielt: ›Andacht‹ und ›Trauung‹ und ›Heilsarmee‹, indem den Görlitzern etwas Religion erhalten bleiben muß. Wüsten schreibt mir: »Man liest oft, dass der Künstler in der Provinz noch so etwas wie eine kulturelle Aufgabe habe. Wer die erfüllen will, muß jetzt Wartburgbilder malen und die Königin Luise verehren.« Wüsten malt weder das eine noch verehrt er die andre, und das macht nicht beliebt.

Der Mann verdiente bekannter zu sein, als er es ist – in dem steckt etwas. Laßt euch das Heftchen einmal kommen. Es wird euch viel Freude machen.

 

 

Peter Panter

Die Weltbühne, 01.03.1932, Nr. 9, S. 330.





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