Ball der Deutschen Ballindustrie


Es war ein bezaubernder Abend voller Stimmung und Schwung: Diplomatie, der Tennisklub Changeant-Weiß, sehr viel Sport, auch boten die anwesenden Ballberichterstatterinnen mit den Brillanten ihres Stils ein reizendes Bild. Herr Generaldirektor A. S. Geyer vom Reichsverband der deutschen Ballindustrie führte in einer zündenden Ansprache aus, dass die berliner Bälle nicht für die Besucher, sondern für die Veranstalter da seien. Gegen Mitternacht wurden zwei Büsten enthüllt: von Ludwig Pietsch und Alfred Holzbock, den Altmeistern der berliner Ballberichterstattung. Frau Direktor Marheineke (weiße Thekla-Seide, mit echt Reptil abgesetzt) zerschlug an Holzbocks Kopf eine Flasche durchaus deutschen Sektes: »Unsre Devise sei«, rief sie aus, »neckisch, aber vornehm – ausgelassen, aber mondän! Wir sind nicht dazu da, uns das Leben gegenseitig angenehm zu machen, und darum veranstalten wir die

Berliner Bälle –!«

 

 

Kaspar Hauser

Die Weltbühne, 28.01.1930, Nr. 5, S. 173,

wieder in: Lerne Lachen.





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