Arbeit für Arbeitslose


Herrn Ebermayer zur Beschlagnahme

freundlich empfohlen

 

Stellung suchen Tag für Tag,

aber keine kriegen.

Wer kein Obdach hat, der mag

auf der Straße liegen.

Sauf doch Wasser für den Durst!

Spuck aufs Brot – dann hast du Wurst!

Und der Wind pfeift durch die Hose –

Arbeitslose.

Arbeitslose.

 

Schaffen wollen – und nur sehn,

wie Betriebe schließen.

Zähneknirschend müßig gehn ...

Bleib du nicht am Reichstag stehn –!

Geßler läßt was schießen.

Zahl den Fürsten Müßiggang;

Friere nachts auf deiner Bank.

Polizeiarzt. Diagnose:

Arbeitslose.

Arbeitslose.

 

Wart nur ab.

Es kommt die Zeit,

darfst dich wieder quälen.

Laß dir von Gerissenheit

nur nichts vorerzählen:

Klagen hilft nicht,

plagen hilft nicht,

winden nicht und schinden nicht.

Dies, Prolet, ist deine Pflicht:

Hau sie, dass die Lappen fliegen!

Hau sie bis zum Unterliegen!

Bleib dir treu.

Die Klasse hält

einig gegen eine Welt.

Auf dem Schiff der neuen Zeit,

auf dem Schiff der Zukunft seid

ihr Soldaten! Ihr Matrosen!

Ihr – die grauen Arbeitslosen!

 

 

Theobald Tiger

Die Weltbühne, 09.03.1926, Nr. 10, S. 382.





 © textlog.de 2004-2016 •
Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright