Sergeant Höflich, »Affaire Zabern«


Das zweite halbe Kriegsbuch spielt im sogenannten Frieden und behandelt die »Affaire Zabern«. Verfasser ist einer der Beteiligten: der Sergeant Höflich (erschienen im Verlag für Kulturpolitik in Berlin).

Zabern – das ist lange her! Im Jahre 1913 erlaubten sich einige Offiziere Übergriffe gegen die elsässische Bevölkerung, und es ging hoch her: die Presse schäumte, der Reichstag dröhnte, und die Offiziere machten Karriere. Dann zogen alle in den Krieg und hatten Zabern vergessen. Nicht so die Elsässer.

Was der Sergeant in durchaus gemäßigtem Tonfall berichtet, wohlgeschult an kaiserlichen und republikanischen oder sagen wir besser nachkaiserlichen Zeitungen, das zeigt, wie der Apparat immer stärker ist als alle Vernunft. Hier war nun nicht viel Vernunft: so, wenn der Oberst von Reuter, sicherlich nicht einer der schlimmsten, einen Verhafteten anbrüllt: »Wollen Sie gefälligst die Mütze abnehmen vor einem preußischen Oberst!« – wie der Leutnant von Forstner in der Instruktionsstunde sagt ... aber das war schon schwachsinnig, denn grade ein patriotischer Offizier dürfte so etwas nicht sagen: Der Leutnant hatte gelegentlich einer Instruktion über Deserteure geäußert, dass solchen Leuten nichts weiter übrigbleibe, als in der Fremdenlegion Unterschlupf zu suchen. Sie haben dann keine andre Ehre mehr, als unter der französischen Fahne zu dienen. Dann: »Auf diese Fahne könnt ihr scheißen.« Man sollte das auf Fahnen nicht tun.

Der Verfasser, Sergeant Höflich, hatte die Soldaten aufgehetzt, »im Falle der Notwehr« sofort von der Waffe Gebrauch zu machen, als sei geschlagen zu werden für einen Soldaten schimpflicher als für einen andern Menschen – und Forstner hatte hinzugesetzt: »Wenn ihr dabei einen solchen Wackes über den Haufen stecht, schadet das auch nichts, ich gebe euch dann noch zehn Mark Belohnung!« Und Schersant Höflich hinterher: »Und von mir noch drei Mark dazu!« Soweit die kaiserliche Instruktion.

Man kann sich denken, was das im Elsaß, wo die moralischen Eroberungen der Preußen sowieso etwas dünn aussahen, für einen Eindruck machte. »Boche« hörten sie dann nicht gern, aber einen Elsässer »Wackes« nennen – das ist ganz etwas andres. Dann gab es den üblichen großen politischen Klamauk, aber es war ein deutscher Klamauk, und so hatte er keine Folgen. Schant Höflich drückt das in unnachahmlicher Selbstverspottung, deren er sich bestimmt nicht bewußt ist, so aus: »Daß Reichskanzler und Kriegsminister – trotz des mit überwältigender Mehrheit ausgesprochenen Mißtrauensvotums – auf ihrem Posten bleiben durften, ging uns nichts an und war Sache des deutschen Volkes und des Reichstages.« Und so war es denn auch.

Was ist uns das heute noch? Der ahnungsvolle Verleger merkte an, es seien alle Rechte vorbehalten, »auch die der Übersetzung, der Verfilmung und Verwendung für den Tonfilm ... « Das ist es uns heute.





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Seite zuletzt aktualisiert: 16.05.2010 
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