Tabak

Tabak. Die Blätter der Tabakspflanze (Nicotiana Tabacum Linn.), werden bekanntlich als diätetisches Mittel teils getrocknet und geschnitten, teils pulverisiert, in der ganzen Welt zum Rauchen und Schnupfen vielfach benutzt. Auch gehört der Tabak zu den wirksamen, beliebten und vielfach in Anwendung kommenden Volks- und Hausarzneimitteln.

1) Gegen schmerzhafte Gonorrhöe und Blasenkrampf lobt man ein Klistier von einem halben Quäntchen Tabaksblättern, mit einem Pfund Wasser eine Viertelstunde gekocht, — auf zwei Male zu setzen.

2) Bei der Engbrüstigkeit Erwachsener, wenn sie chronisch ist, setze man alle neun Tage lang alle Abend ein solches Klistier, oder lasse starken Varinaskanaster in der Zeit der Anfälle rauchen.

3) Letzterer geraucht, stillt häufig auch durch Betäubung Zahnschmerzen.

4) Gegen den Keuchhusten Im zweiten Stadium sah ich in Niedersachsen große Wirkung von einer Hand voll geschnittenen Tabak, mit kochendem Wasser angefeuchtet und in die Herzgrube gelegt. Auch kann man hier ein halbes Quäntchen mit einem Pfund Wasser bis zur Hälfte einkochen, durchseihen und zwei Lot Honig zusetzen lassen. Davon nehmen Kinder von ein bis drei Jahren dreimal täglich einen Teelöffel voll, ältere einen halben, Erwachsene einen ganzen Esslöffel voll.

5) Beim Wundstarrkrampf (Tetanus traumaticus), dessen vorzüglichste Gelegenheitsursache Aufenthalt in der Nähe der Seeküsten, schneller Wetterwechsel und Erkältung ist, koche man sechs Lot Tabak mit einem Maß Wasser bis zur Hälfte ein, und mache davon Umschläge über den Hals, die Brust, den Nacken und Unterleib. Auch setze man den Kranken dreimal täglich in ein Bad, worin eine Abkochung von vier Pfund schlechten Tabak in vier Maß Wasser bis auf zwei eingekocht, zugesetzt worden ist.

6) Gegen die krampfhafte Darmeinklemmung ist ein Tabaksrauchklistier, gegen solche Koteinklemmung bei eingeklemmtem Bruch das oben angegebene Klistier von Tabaksblättern oft von der besten Wirkung. Letzteres Klistier ist gegen jede Blähungskolik mit hartnäckiger Leibesverstopfung, wenn andere Klistiere nichts mehr leisten, oft noch das einzige Rettungsmittel. Man wiederholt es alle halbe Stunden, bis Leibesöffnung folgt.

7) Ein Mann, welcher schon Jahre lang am heftigsten Gesichtsschmerz gelitten und oft in 14 Tagen das Zimmer nicht hatte verlassen können, belegte sich im Herbst täglich vier bis sechs Stunden lang das Gesicht mit grünen, später auch mit getrockneten, in kochendem Wasser angefeuchteten Tabaksblättern, setzte sich selbst jeden Abend ein Klistier von einer Abkochung des Tabaks (zuerst ein halbes, dann ein, später anderthalb bis zwei Quäntchen der Blätter zu einem Klistier von sechs Unzen), — und binnen sechs Wochen ward er vollkommen hergestellt.

8) Gegen die Engbrüstigkeit bejahrter Leute, wo des Morgens früh der Husten stark, der Auswurf aber schwer löslich, recht zähe ist, ist ein bis zwei Pfeifen Tabak ein gutes Mittel, den Auswurf zu befördern und das Atmen freier zu machen (s. Osiander l. c. p. 166).

9) Vieles Rauchen und Schnupfen des Tabaks stumpft die Zeugungskraft ab, ist daher bei jungen, sehr verliebten Leuten als Antaphrodisiakum zu empfehlen (s. Osiander l. c. p. 401).

10) Gegen den Scheintod hat man in früheren Zeiten mit den Klistieren von Tabak als Rauch oder Dekokt viel Unfug getrieben. Tatsache ist, dass zarte Personen durch ein Klistier, das eine Abkochung von nur zwei Drachmen der Tabaksblätter enthält, Vergiftung erleiden und den Tod davon nehmen können. Namentlich vermeide man die Tabaksklistiere bei allen durch Kohlendunst, durch Erhängen, Ersticken, Verschütten etc. in Scheintod geratenen Personen, beim Scheintod zarter Frauenzimmer, kleiner Kinder und Aller, die nicht rauchen. Die Vergiftungszufälle sind: Schwindel, Betäubung, große Hinfälligkeit, Zittern, Erbrechen, Durchfall, Schweratmen, Starrkrampf etc.

11) Der Schnupftabak, welcher ebenso, wie mancher Rauchtabak durch schädliche Saucen nicht selten der Gesundheit der Schnupfer Nachteil bringt, ist, rein und gut bereitet, auch als Hausmittel gegen Stockschnupfen, rheumatische Kopf- und Zahnschmerzen, gegen schwache, blöde, triefende Augen etc. als heilsam bekannt. Viele Personen haben sich durch das Tabakschnupfen von der schlimmsten Migräne befreiet (s. Osiander l. c. p. 38). In Prag bereitet man noch jetzt einen Schnupftabak aus der Rosskastanienrinde (s. d.), welcher als ein Spezifikum gegen Migräne angesehen wird. Ein guter Schnupftabak darf keine metallischen Flimmer zeigen, sonst ist er mit Salpeter, Salmiak, Urin geschärft; ja einzelne Tabaksfabrikanten setzen selbst Sublimat zu ihrer Sauce, andere spanischen Pfeffer, Bertramwurzel, Spießglanz, Eisenvitriol etc. Die Bereitung des Spaniols ist so ungesund, dass nur Verbrecher dazu benutzt werden. Zu den Rauchtabakssaucen wird Ledum palustre, selbst oft Bilsenkraut, Stechapfel, ja Opium von gewissenlosen Fabrikanten zugesetzt, um den leichten Tabak stärker und betäubender zu machen. Alsdann erregt er bei Personen, die noch nicht durch die Gewohnheit dagegen abgestumpft sind, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Betäubung etc.

12) Aber auch der reine, unverfälschte Tabak gehört, wie schon oben gesagt worden, zu den betäubenden Pflanzen und kann ähnliche Zufälle bei ungeübten Rauchern hervorbringen, selbst Lähmung, Blindheit und Tod; zarte Frauenzimmer und Kinder empfinden schon Betäubung, Schwindel und Kopfweh beim Aufenthalt in Zimmern, wo stark geraucht wird. — Gegenmittel: Sind die Zufälle nur gelinde und vom Rauch entstanden, so ist frische Luft, Waschen des Kopfs und Halses mit kaltem Wasser, innerlich säuerliches Getränk: Wasser and Essig, Limonade etc. schon hinreichend, — sind die Zufälle heftig, war die Vergiftung durch den Genuss eines Tabaksdekokts, das verschluckt worden, entstanden, so muss den eben genannten Mitteln ein Vomitiv vorhergehen, es sei denn, dass der Kranke schon von selbst hinreichend vomiert habe. Bei Vergiftung durch Tabaksklistiere sind Lavements von kaltem Wasser und Essig (drei Teile Wasser und einen Teil Essig) alle Viertelstunde zu applizieren, bis die Zufälle schwinden.

Ein guter Rauchtabak muss beim Verbrennen nicht puffen (detonieren), und der Rauch darf nicht zu schwarz und rußig sein. Die Tabaksasche muss eine weiße Farbe haben, wie bei allen guten Zigarren, und der Gebrauch darf keinen Schwindel erregen. — Laugensalz und Ammoniak erkennt man im Tabak, wenn eine Abkochung desselben Fernambukpapier violett, Kurkumapapier braun färbt. Das Knistern des brennenden Tabaks verrät den Salpeter. Unschädliche Beimischungen des Tabaks sind: Steinklee, Betonie, Wallnuss-, Meliloten- und Lindenblätter, Kartoffelkraut, die Blätter von Heidelbeeren, Gartenrosen, Kirschen, Sonnenblumen, Huflattig, — beim Schnupftabak: die Wurzeln von Calmus, Alant und Veilchen, die Tonkobohnen, der Sassafras.


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