b) Diät und Pflege des Gehörs

Was die Diät und Pflege des Gehörs betrifft, so darf man die Ohren nicht durch enge Mützen, Bänder oder Tücher, — was oft schon Hebammen und Mütter bei Neugeborenen versehen — dicht an den Kopf andrücken, weil sie dadurch, — wie dieses F. J. Siebenhaar in seinem trefflichen Buche zum Unterricht für die Schuljugend, betitelt "Gesundheitsregeln" (Leipz. 1841 mit vier Steindrucktafeln, Preis 6, Ggr.) sagt, — behindert werden, die Bewegungen (Schwingungen) der Luft, welche das Hören bewirken, gehörig aufzufangen. Eben so schädlich ist es für das Gehör, wenn man des Nachts mit dem Kopf tief in warmen Federbetten liegt, wenn ein starker, scharfer, unerwarteter und ungewohnter Schall oder Knall, der nahe an den Ohren geschieht, ans trifft und erschreckt, worauf nicht selten langwieriges Ohrensausen, Schwerhörigkeit, ja völlige Taubheit folgt. Glockenläuter und Kanoniere sind aus diesem Grunde nicht selten harthörig. Dumme und rohe Eltern, solche unwissende Schullehrer haben durch Ohrfeigen manches Kind harthörig gemacht, und dies ist auf dem Lande leider! noch öfters der Fall. Auch starke Erkältung des Kopfes, so wie des ganzen Körpers, Zugluft, bei Schiffern hohe See und Sturm, wie sie oft Tagelang ohne warme Speisen und Getränke in nassen Kleidern auf dem Verdeck sein müssen; — endlich die schlimmen, mit Kopfaffektion verbundenen Ausschlagsfieber, zumal Scharlach, Pocken und Masern, so wie Erschütterung des Gehirns durch Schlag, Fall, Sturz etc., auch Unredlichkeit des Gehörganges, wodurch das Ohrenschmalz sich mit Staub vermischt, verdickt und die Ohren mechanisch verstopft; — alle diese Schädlichkeiten können den Gehörssinn mehr oder minder beeinträchtigen. Das Gehör aber ist der kostbare Sinn, der uns mit der moralischen Welt in Verbindung setzt. Es ist daher für uns besser, etwas kurzsichtig, als harthörig zu sein, aber im Extrem genommen, ist der Stockblinde doch unglücklicher daran, als der völlig Taube.


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