Bier. Cerevisia

Bier (Cerevisia). Es findet als Hausmittel vielfache Anwendung, sowohl äußerlich als innerlich. In Schweden kocht man Wöchnerinnen bei Milchmangel einen Trank aus Bier und süßer Milch, zu gleichen Teilen. Außerdem wird das einfache, meist schwache Hausbier zu Abkochungen nährender und urintreibender Dinge vielfach benutzt. Plenck's Mittel gegen Skorbut ist:

Nr. 31. Nimm: frisches Löffelkraut, drei Lot, frisch zerschnittenen Meerrettich, vier Lot, kleine Tannzapfen (Turiones Pini) (s. unten Fichtenknospen), zwei Lot, Bier, vier Pfund. — Das Ganze wird in einer Flasche 48 Stunden in der Sonne oder Ofenwärme digeriert und davon viermal täglich ein Glas getrunken.

Gegen chronische Wassersucht alter Leute mit reizlosem Körper setzt man diesem Getränke noch zwei Lot gequetschte Wacholderbeeren hinzu, und die gute Wirkung erfolgt oft schon nach drei Tagen.

Eine Mischung aus Bierhefe und süßer Milch, lauwarm genossen, ist gegen schlimme Leibesverstopfung und Harnverhaltung in einzelnen Fällen höchst wirksam. (S. Hecker's Annalen, 1827. Januar, und Osiander a. a. O. S. 124). Ein ganz vorzüglich gutes äußerliches Mittel zum Verbinden brandiger, krebshafter, sowie überhaupt aller fauligen Geschwüre ist folgender Brei:

Nr. 32. Nimm: Honig und Bierhefe, von jedem ein viertel Pfund, knete Roggenmehl soviel darin, dass es ein dicker Brei wird und lege diesen, auf Leinwand oder Leder gestrichen, alle 24 Stunden frisch auf.

Gegen noch nicht aufgebrochene Frostbeulen an Händen und Füßen, sowie gegen Verbrennungen im ersten Grade ist eine Salbe sehr gut, die man auf solche Weise bereitet, dass man starkes Braunbier einige Zeit in einen erwärmten Ofen zur Sirupsdicke abdampfen lässt, dieses auf Leinwand bringt und den kranken Teil damit verbindet. (Mecklenb. Volksmittel).

Ein starkes Weißbier z. B., wie es in Bayern gebraut wird, und welches stark gehopft ist, bekommt schwachen Personen, die an Magenschwäche und Blähungen leiden, sowie allen Wiedergenesenen von schweren Krankheiten und allen blassen, krampfhaften Naturen oft besser, als Wein, besonders aber, wenn man geriebenes Brot und Zucker darunter mischt Auch gekochtes Bier mit dem Gelben von einigen Eiern abgerührt und mit Zusatz von Zucker und Gewürz, namentlich Ingwer, ist ihnen sehr nützlich. Ein solches Eierbier, warm getrunken, (oder auch starker, reiner Kaffee) ist Reisenden in der Winterkälte das beste Erwärmungsmittel, dagegen Wein und Branntwein, weil sie schläfrig machen, ihnen schädlich sind und Manchem den Tod durch Erfrierung gebracht haben. Der tägliche Genuss starker Bitterbiere schadet vollsaftigen Personen, indem es die Apoplexie begünstigt. (S. Gesundheitsregeln.)


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