Fritz Mauthner

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Beiträge zu einer

Kritik der Sprache

 

Zur Sprachwissenschaft

 

ZWEITER BAND

ZUR SPRACHWISSENSCHAFT

 

(1912)

 



... melius nesciendo scitur ..

Scotus Erigena.

 

Nihil enim homini etiam studiosissimo in doctrina perfectius adveniet quam in ipsa ignorantia quae sibi propria est doctissimus reperiri; et tanto quis dootior erit quanto se sciverit magis ignorantem.

Nicolaus Cusanus (an Jacobi).

 

Since 't is reasonable to doubt most things, we should most of all doubt that reason of oura whieh would demonstrate all things.

Pope.

 

Et in hoc ostendunt se esse asinos, quod dicunt caelum esse casa helios.

Roger Bacon.

 

Casus enim in linguarum mutationibus magis quam consilium dominatur.

Leibniz.

 

... e della storia delle cose si accertasse quella delle lingue.

Vico.

 

Mit Namen zimmern wir keine Fächer in unserer Seele.

Herder, Metakritik.

 

How my soul hates

This language, which makes life itself a lie.

Byron, Sardanapalus.

 

Sprache ist fossile Poesie.

Emerson.

 

Der Unterschied zwischen der Meinung der Griechen, dass die Sonnenstrahlen Pfeile des Phoebus sind, und der unsrigen, dass sie Bewegungen eines gewichtslosen Stoffes seien, ist der: dass die erste poetisch ist und die zweite nicht.

P. N. Coßmann .



Vorwort zur zweiten Auflage


In dem Vorworte zur ersten Auflage des zweiten, des sprachwissenschaftlichen Teiles der Sprachkritik habe ich mich etwas lebhaft gegen die zünftlerische Behandlung des ersten Bandes gewandt; ich möchte jenen Zornausbruch nicht wieder abdrucken. Ich bin in den abgelaufenen zehn Jahren älter und heiterer geworden, ich habe die zweite Auflage herausgeben dürfen und habe es erlebt, dass die philosophischen und philologischen Fachmänner mein Buch gern benützen. Sehr viele Fachmänner haben die sprachkritischen Ideen meines Werkes an Kindes Statt angenommen; und wenn einige von ihnen bei dieser Adoptierung den Entschluß gefaßt haben, den Vater dieser Ideen nicht zu kennen, so ist das schlimmer für sie als für mich. Es ist eine der feinsten Freuden, zu beobachten, wie die eigenen Gedanken in fremden und wissenschaftlich guten Köpfen weiterarbeiten.

Ernstlich. Es ist für den geistigen Arbeiter eine reine Freude, die Anregungen, die auszugestalten über seine Kraft ging, von anderen fleißigen Arbeitern durchgeführt und verbessert zu sehen. Hätte ich in die neue Auflage aufnehmen können und sollen, was ich aus der wissenschaftlichen Literatur der letzten zehn Jahre etwa hinzugelernt habe, so hätte der Band leicht seinen doppelten Umfang angenommen; ich habe mich darum mit einer Feilung der Darstellung, der Heranziehung zwingenderer oder gesicherterer Beispiele und endlich mit einigen Zusätzen begnügt, die hoffentlich den Wert meines Buches nicht vermindern werden. Eine Häufung von Beispielen und Zusätzen hätte die suggestive Kraft der Kapitel über die Bedeutung der Metapher und über die Geschichte der menschlichen Vernunft vielleicht verstärkt; aber was mir zumeist am Herzen liegt, die Beziehung dieser Untersuchungen zu den erkenntnistheoretischen Hauptfragen, wäre durch philologische Überfülle kaum klarer geworden.

Einen Hauptpunkt meiner sprachwissenschaftlichen Lehre, die sich der orthodoxen gegenüberstellt, die Lehre von der Wichtigkeit der Entlehnungen und Lehnübersetzungen für die Sprachgeschichte, habe ich ausführlich in der Einleitung zu meinem "Wörterbuch der Philosophie" dargestellt.

Meersburg a. Bodensee, Februar 1912.

F. M.


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