I. Begriff und Wort


Die Logik stellt, wie die Grammatik, allgemeine Regeln auf. Die Grammatik der eigenen Sprache lehrt nicht, wie man sprechen soll oder wird, sondern nur, wie man spricht oder gesprochen hat, wofür sich eben nur der Grammatiker interessiert. Die Grammatik einer fremden Sprache erfährt man ebenfalls am besten durch die Übung; immerhin kann die Grammatik einer fremden Sprache nützlich sein, wenn sie von der Grammatik der eigenen abweicht.

Die Logik lehrt nun ebenso, nicht wie man denken soll oder wird, sondern nur wie man denkt oder gedacht hat, was doch nur den Logiker interessiert. Nützlich kann uns nur eine Logik der Fremden werden. Wir selbst sind bei unserer eigenen Denktätigkeit um so weiter von der Anwendung der Logik entfernt, je sachlicher wir uns an die Denkaufgabe halten. Und ich möchte behaupten, dass die berühmten Denkfehler, die Sophismen und Paralogismen, niemals von Nichtlogikern gemacht worden wären. Denn das natürliche Gehirn denkt gar nicht ungegenständlich, wendet gar keine Regeln an, sondern urteilt und schließt vielleicht sogar genau so instinktiv wie das Tier. Erst der redende Mensch dachte "logisch". Es ist fast lustig, dass Logik vom logos stammt, der doch nicht im Anfang war.


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