Modi


Durch die Zeitformen des Verbums wurden und werden oft andere Beziehungen des Satzes ausgedrückt, welche in der Darstellung der Grammatik mit den Zeitunterschieden keine Ähnlichkeit haben. Es sind das die sogenannten Modi; der Ausdruck, dessen Geschichte für Logik und Grammatik gleich lehrreich ist, sagt uns nichts mehr. Später werden wir im Zusammenhange (mit anderen sprachlichen Andeutungsmitteln für Zeit und Raum) zu zeigen haben, wie weit die Anwendung des Tempus auf den Modus metaphorisch ist oder nicht.

Der Indikativ ist in demselben Stande der Indifferenz wie der Nominativ unter den Fällen, das Präsens unter den Zeiten. Wie das Präsens unter Umständen jede andere Zeit ausdrücken kann, so der Indikativ unter Umständen jeden anderen Modus. Wie die sichere Erwartung der Zukunft sich durch das Präsens ausspricht und oft besonders nachdrücklich, so z. B. der Imperativ durch den Indikativ, ebenso nachdrücklich, selbst drohend. "Du kommst!"

Die Form des Konjunktivs ist in vielen Sprachen der Form der Zukunft nahe verwandt. Auch kann, wie im Lateinischen und im Hebräischen, der Imperativ durch das Futurum ausgedrückt werden. Und es gehört gar nicht viel Phantasie dazu, um einen Sprachgeist zu verstehen, der nicht etwa die Zukunft "anstatt" des Konjunktivs, "anstatt" des Imperativs setzte, der vielmehr Konjunktiv oder Imperativ klar als Zukunft sah. Der Konjunktiv, welcher in unseren Sprachen von Begriffen des Wünschens, Bittens, Befehlens usw. "abhängig" ist, geht immer auf einen künftigen Zustand und hat dennoch Vergangenheitsformen. Wer weiß, ob Konjunktive, die nicht auf die Zukunft gehen, nicht mißverständliche Analogiebildungen sind. Der regelrechte Konjunktiv unserer Schriftsprache, wie er von Schulmeistern gefordert und von gebildeten Norddeutschen unerbittlich durchgeführt wird, hat für ein süddeutsches Ohr oft etwas Unnatürliches.


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