Johann August Eberhards

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Synonymisches Handwörterbuch

der deutschen Sprache

 

 

(1910)

 


 

Vorwort

zur dreizehnten Auflage.

 

Die Gunst, deren sich Eberhards synonymisches Handwörterbuch der deutschen Sprache unausgesetzt in weiten Kreisen zu erfreuen hatte, bewog die Verlagshandlung, eine neue Auflage desselben zu veranstalten. Die Gegenwart muß natürlich ganz andere Anforderungen an ein solches Wörterbuch stellen, als die Zeiten von Eberhard, Adelung und Campe. Eine durchgreifende Neubearbeitung des Buches erschien daher dringend geboten, um so mehr, als die Verbesserungen, die es seit 1802 erfahren hatte, nicht so einschneidender Natur waren, daß durch diese wesentliche Mängel beseitigt worden wären. So litt auch noch die zwölfte Ausgabe an philosophischen Künsteleien und scholastischen Spitzfindigkeiten in den Begriffsbestimmungen der Wörter; die Hauptmängel des Buches aber lagen in der unzureichenden historischen Forschung und in der ungenügenden Berücksichtigung des Sprachgebrauches unserer deutschen Klassiker.

In der vorliegenden, dreizehnten Ausgabe ist nun der Versuch gemacht worden, diese Mängel zu beseitigen. Viele Worterklärungen und Begriffsbestimmungen, die ohne Rücksicht auf das Leben der Sprache a priori konstruiert waren (wie das ja vor der Begründung der deutschen Philologie durch die Gebrüder Grimm allgemein üblich war), sind durch andere ersetzt worden, die auf Beobachtung des Sprachlebens der Gegenwart, wie des Sprachgebrauches unserer Klassiker beruhen. Zahlreiche Beispiele aus Luthers, Lessings, Klopstocks, Schillers, Goethes u. a. Werken sind den einzelnen Artikeln beigefügt worden. Um für das Werk die nötige historische Begründung zu gewinnen, mußte auch etymologischen Erörterungen in größerem Umfange als in früheren Auflagen Raum gegeben werden. Ist doch in vielen Fällen das Zurückgehen auf die sinnliche Grundbedeutung eines Wortes das einzige Mittel, um eine klare Anschauung von dem Begriffe desselben zu erhalten.

Dabei ist aber das anerkannt Vortreffliche des Eberhardschen Buches beibehalten und namentlich die eigentliche Bestimmung desselben nie aus den Augen verloren worden. "Das Handwörterbuch," sagt Eberhard, "ist zunächst nicht für Gelehrte und noch weniger für Sprachforscher bestimmt. Es soll, wie die ähnlichen Arbeiten von Girard, Voltaire, d'Alembert, Joucourt für die französische Sprache, von Blair für die englische und von Sporon für die dänische, einem jeden, auch dem, der nicht zu dem eigentlich gelehrten Stande gehört, der sich aber durch eine sorgfältige Erziehung auszeichnen will, behilflich sein, vermittels der Sprache seinen Verstand zu bilden und sich die Fertigkeit eines leichten, richtigen und bestimmten Ausdrucks zu erwerben." Dieser Charakter, wie ihn hier Eberhard selbst schildert, ist auch in der vorliegenden Ausgabe dem Buche auf das strengste gewahrt worden.

Die Forschungen, die man bisher auf dem Gebiete der Sinnverwandtschaft angestellt hat, die Sammlungen und Wörterbücher deutscher Synonymen, die bis zum Jahre 1881 herausgegeben worden sind, haben die gebührende Berücksichtigung gefunden; auch die weniger bedeutenden Arbeiten sind bis auf Stosch (1770) zurück einer genauen Durchsicht und Prüfung unterworfen worden. Eine kurze Übersicht über das, was überhaupt auf dem Gebiete der deutschen Synonymik bisher geleistet worden ist, enthält die Einleitung (S. VIII), auf die hier verwiesen sei.

Obwohl möglichste Vollständigkeit erstrebt und eine nicht unbeträchtliche Anzahl neuer Artikel und Synonymen hinzugefügt wurde, so konnte doch der ungemein reiche Stoff, der gerade auf dem Gebiete der Synonymik bei tieferem Eindringen täglich wächst und sich in immer neuer Gestalt zur Behandlung darbietet, unmöglich erschöpft werden. Als Lafaye im Jahre 1865 einen Supplementband zu seinem großen Dictionnaire des synonymes de la langue française erscheinen ließ, schrieb er die treffenden Worte: "En général, un dictionnaire de synonymes ne saurait être complet." Es kommt wohl auch, wenigstens für ein Handwörterbuch, mehr auf eine geeignete Auswahl aus dem unerschöpflichen Sprachschatze an, die alles Wichtige berücksichtigt und alles Nebensächliche ausscheidet, als auf kritiklose Häufung von Synonymen, die nur allzu leicht die Klarheit und Übersichtlichkeit in Anlage und Behandlung stört.

Die jedem einzelnen Artikel beigefügte Übertragung der Synonymen ins Englische, Französische, Italienische und Russische, die ein vorzüglicher Kenner der modernen Sprachen als eine Vorarbeit zu einer vergleichenden Synonymik der Hauptsprachen*) bezeichnet, ist beibehalten, beziehentlich durchgesehen und ergänzt worden. Ausländern wird diese Übertragung eine willkommene Erleichterung beim Studium der deutschen Synonymen bieten.

Zum Schluß sei es mir noch vergönnt, dem herzlichen Wunsche Ausdruck zu geben, daß das Buch auch in seiner neuen Gestalt freundliche Aufnahme finden möge.

 

Januar 1882.

 

Dr. Otto Lyon.  


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