§ 63. Aufgabe einer Kritik der transzendentalen Erfahrung und Erkenntnis


In den Untersuchungen dieser Meditation und schon der beiden vorangehenden haben wir uns auf dem Boden der transzendentalen Erfahrung bewegt, der eigentlichen Selbsterfahrung und der Fremderfahrung. Wir haben ihr vertraut dank ihrer ursprünglich durchlebten Evidenz und haben auch in ähnlicher Weise der Evidenz der prädikativen Deskriptionen und aller transzendentalwissenschaftlicher Erfahrungsweisen überhaupt vertraut. Wir haben dabei die Forderung, die zu Anfang so ernstlich erhoben war, eine apodiktische Erkenntnis, als der allein echt wissenschaftlich durchzuführenden, aus dem Auge verloren, sie aber keineswegs fallen gelassen. Nur daß wir es vorgezogen haben, die ungeheure Problematik der ersten, in ihrer Art selbst noch mit einer Naivität behafteten Phänomenologie (der apodiktischen Naivität), in der die große und eigentümlichste Leistung derselben als einer neuartigen und höheren Gestaltung der Wissenschaft liegt, in Umrissen zu zeichnen, statt hier noch auf die weitere und letzte Problematik der Phänomenologie einzugehen, die Problematik ihrer Selbstkritik in Absicht auf die Bestimmung von Umfang und Grenzen, aber auch Modi der Apodiktizität. Von der Art der durchzuführenden Kritik der transzendental­phänomenologischen Erkenntnis geben unsere früheren Andeutungen eine zum mindesten vorläufige Vorstellung, nämlich als Andeutungen der Art, wie z. B. durch Kritik der transzendentalen Wiedererinnerung ein apodiktischer Gehalt derselben herausgestellt wird. Alle transzendentalphilosophische Erkenntnistheorie als Erkenntniskritik führt zuletzt auf die Kritik der transzendentalphänomenologischen Erkenntnis (zunächst der transzendentalen Erkenntnis) zurück, und bei der wesensmäßigen Rückbeziehung der Phänomenologie auf sich selbst fordert auch diese Kritik eine Kritik. In dieser Hinsicht bestehen aber keine mit irgendwelchen Schwierigkeiten oder gar Widersinnigkeiten behafteten unendlichen Regresse, trotz der evidenten Möglichkeit iterierbarer transzendentaler Reflexionen und Kritiken selbst.


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