Ich bin der Gott der Musika


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»Ich bin der Gott der Musika,

Verehrt in allen Landen;

Mein Tempel hat in Gräcia

Auf Mont-Parnaß gestanden.

 

Auf Mont-Parnaß in Gräcia,

Da hab ich oft gesessen

Am holden Quell Kastalia,

Im Schatten der Zypressen.

 

Vokalisierend saßen da

Um mich herum die Töchter,

Das sang und klang la-la, la-la!

Geplauder und Gelächter.

 

Mitunter rief tra-ra, tra-ra!

Ein Waldhorn aus dem Holze;

Dort jagte Artemisia,

Mein Schwesterlein, die Stolze.

 

Ich weiß es nicht, wie mir geschah:

Ich brauchte nur zu nippen

Vom Wasser der Kastalia,

Da tönten meine Lippen.

 

Ich sang - und wie von selbst beinah

Die Leier klang, berauschend

Mir war, als ob ich Daphne sah,

Aus Lorbeerbüschen lauschend.

 

Ich sang - und wie Ambrosia

Wohlrüche sich ergossen,

Es war von einer Gloria

Die ganze Welt umflossen.

 

Wohl tausend Jahr' aus Gräcia

Bin ich verbannt, vertrieben -

Doch ist mein Herz in Gräcia,

In Gräcia geblieben.«


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Seite zuletzt aktualisiert: 19.09.2005 
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