Walpurgisnacht


Am Kreuzweg weint die verlassene Maid,

Sie weint um verlassene Liebe.

Die klagt den fliegenden Wolken ihr Leid,

Ruft Himmel und Hölle zu Hülfe. -

Da stürmt es heran durch die finstere Nacht,

Die Eiche zittert, die Fichte kracht,

Es flattern so krächzend die Raben.

 

Am Kreuzweg feiert der Böse sein Fest,

Mit Sang und Klang und Reigen:

Die Eule rafft sich vom heimlichen Nest

Und lädt viel luftige Gäste.

Die stürzen sich jach durch die Lüfte heran,

Geschmückt mit Distel und Drachenzahn,

Und grüßen den harrenden Meister.

 

Und über die Heide weit und breit

Erschallt es im wilden Getümmel.

»Wer bist du, du schöne, du lustige Maid?

Juchheisa, Walpurgis ist kommen!

Was zauderst du, Hexchen, komm, springe mit ein,

Sollst heute des Meisters Liebste sein,

Du schöne, du lustige Dirne!«

 

Der Nachtwind peitscht die tolle Schar

Im Kreis um die weinende Dirne,

Da packt sie der Meister am goldenen Haar

Und schwingt sie im sausenden Reigen,

Und wie im Zwielicht der Auerhahn schreit,

Da hat der Teufel die Dirne gefreit

Und hat sie nimmer gelassen.


 © textlog.de 2004 • 18.12.2017 00:27:44 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.09.2005 
Abuse Trap
  Home  Impressum  Copyright