Traumliebchen


Nachts auf des Traumes Wogen

Kommt in mein Kämmerlein

Traumliebchen eingezogen,

Luftig wie Mondenschein.

Sie ruht auf meinem Kissen,

Sie stört mich auf mit Küssen

Und lullt mich wieder ein.

 

Glühend um meine Glieder

Flutet ihr dunkles Haar,

Auf meine Augenlider

Neigt sie der Lippen Paar.

»So küß mich, du blöder Schäfer!

Dein bin ich, du süßer Schläfer,

Dein heut und immerdar!«

 

»Fort, fort aus meinem Stübchen,

Gaukelndes Nachtgesicht!

Ich hab ein eigen Liebchen,

Ein andres küß ich nicht!«

Umsonst, ich blieb gefangen,

Bis auf des Morgens Wangen

Brannte das rosige Licht.

 

Da ist sie fortgezogen,

Schwindend wie Mondesschein,

Singend auf Traumeswogen

Schelmische Melodein:

»Traum, Traum ist alles Lieben!

Wann bist du treu geblieben?

Wie lang wohl wirst du's sein?«


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Seite zuletzt aktualisiert: 11.09.2005 
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