Der Sänger beim Mahle


Romanze

 

Es schwelgt der Sohn im Ahnensaal

Bei lautem Becherklang:

»Zum alten Harfner schickt ich aus;

Was bleibt er mir so lang!«

 

Der Ritter leert den Goldpokal,

Der Sänger tritt herein. -

»Auf, Harfner, stimme uns ein Lied

Zu Becherklang und Wein!«

 

Der Harfner rührt das Saitenspiel;

Die Gäste allzumal

Verstummen bei des Alten Lied

Im hochgewölbten Saal.

 

Der Sänger singt, des Nordens Kraft

Braust durch die Saiten hin;

Die Harfe rauscht; dem Ritter dringt

Des Alten Lied zu Sinn.

 

Der Sänger singt aus grauer Zeit

Der Väter Sieg und Tod

Und klagt bei leisem Harfenlaut

Des Vaterlandes Not.

 

Und durch die hohe Halle tönt's

Wie ferner Schwerter Klang.

Der Alte schweigt; dem Ritter wird's

Um Herz und Sinnen bang.

 

Er flieht vom lauten Lustgelag,

Umgürtet sich das Schwert

Und zieht hinaus zu Kampf und Sieg,

Ein Sohn, der Väter wert.


 © textlog.de 2004 • 21.10.2017 10:43:03 •
Seite zuletzt aktualisiert: 11.09.2005 
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