Widmung in ein Kochbuch


Es wird behauptet und mit Grund,

Ein nützlich Werkzeug sei der Mund!

 

Zum ersten läßt das Ding sich dehnen

Wie Guttapercha, um zu gähnen.

Ach, Grete, wenn du dieses mußt,

Tu es im stillen und mit Lust!

 

Zum zweiten: Wenn es grad vonnöten,

Kann man ihn spitzen, um zu flöten.

Sitzt dann der Schatz auch mal allein,

Dies wird ihm Unterhaltung sein!

 

Zum dritten läßt der Mund sich brauchen,

Wenn's irgend passend, um zu rauchen.

Dies kannst du deinem guten Gatten,

Der darum bittet, wohl gestatten.

 

Zum vierten ist es kein Verbrechen,

Den Mund zu öffnen, um zu sprechen.

Vermeide nur Gemütserregung,

Sprich lieber sanft mit Überlegung,

Denn mancher hat sich schon beklagt:

»Ach, hätt' ich das doch nicht gesagt!«

 

Zum fünften: Wie wir alle wissen,

So eignet sich der Mund zum Küssen.

Sei's offen oder sei's verhohlen,

Gegeben oder nur gestohlen,

Ausdrücklich oder nebenher,

Bei Scheiden oder Wiederkehr,

Im Frieden und nach Kriegeszeiten:

Ein Kuß hat seine guten Seiten!

 

Zum Schluß jedoch nicht zu vergessen:

Hauptsächlich dient der Mund zum Essen!

Gar lieblich dringen aus der Küche

Bis in das Herz die Wohlgerüche.

 

Hier kann die Zunge fein und scharf

Sich nützlich machen, und sie darf!

Hier durch Gebrötel und Gebrittel

Bereitet man die Zaubermittel

In Töpfen, Pfannen oder Kesseln,

Um ewig den Gemahl zu fesseln.

 

Von hier aus herrscht mit schlauem Sinn

Die Haus= und Herzenskönigin. -

Lieb's Gretchen! Halt dich wohlgemut,

Regiere mild und - koche gut!


 © textlog.de 2004 • 15.12.2017 22:53:32 •
Seite zuletzt aktualisiert: 17.09.2005 
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