Fürs Militär: An Frau Lindau


Rieke näht auf die Maschine,

Nischke war beis Miletär;

Dennoch aber ließ sie ihne

Niemals nahe bei sich her.

 

»Wozu« - fragt sie oft verächtlich -

»Wozu nützt mich der Soldat.

Wenn man bloß durch ihn hauptsächlich

Soviel hohe Steuern hat?«

 

Einstmals ging sie nach dem Holze;

Nischke wollte gerne mit;

Aber nein, partout nich wollt' se,

Daß er ihr dahin beglitt.

 

Plötzlich springt aus dem Gebüsche

Auf ihr zu ein alter Strolch!

Stiere Augen wie die Fische,

Kalte Hände wie der Molch.

 

»Runter«, schreit er, »mit die Kleider:

Denn sie lebt im Überfluß;

Da ich ein Fabrikarbeiter,

Der sich was verdienen muß!« -

 

Weinend fallen Jäck= und Röckchen,

Zitternd löst sich der Tournür;

Nur ein kurzes Unterglöckchen

Schützt vor Scham und Kälte ihr.

 

Aber jetzt, da tönt es Halte!

Und ein scharfer Säbel blunk.

Aufgeschlitzt mit einer Spalte

Floh sich brüllend der Halunk.

 

Dies tat Nischke, der trotz allen

Rieken heimlich nachgeschleicht,

Die sich unter Dankeslallen

Jetzt um seinen Hals verzweigt.

 

O ihr Mädchens, laßt euch raten,

Ehrt und liebet den Soldat,

Weil er sonst für seine Taten

Nicht viel zu verzehren hat.


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Seite zuletzt aktualisiert: 17.09.2005 
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