Den Abiturienten


Wohl ehedem, da trank des Weines

Auch ich mein Teil, und zwar kein kleines.

Nun aber muß ich mich bequemen,

Das Ding mehr objektiv zu nehmen

Und, still verborgen hinterm Zaun,

Wenn andre trinken, zuzuschaun.

Und wahrlich. Wenn man fünfundfunfzig,

Dann ist es Zeit, daß die Vernunft sich

Vernehmen läßt und weise spricht:

»Hör, Alter! Das bekömmt dir nicht!«

Auch spürt man, daß man gar nicht mehr

So liebenswürdig wie vorher. -

 

Da ich denn also fürderhin

Zur Zierde nicht zu brauchen bin

Und wäre nur wie dürres Reisig

Im frischen Kranz der fünfunddreißig,

Und weil mein Saitenspiel schon staubig,

So seh' ich, fühl' ich, denk' ich, glaub' ich,

Es ist für mich das weitaus Beste,

Ich bleib' von diesem Jubelfeste,

Von Faß und Spaß und Glas und Naß

Zu Haus mit meinem Brummelbaß! 


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Seite zuletzt aktualisiert: 17.09.2005 
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