Béguinage


Béguinage Sainte-Elisabeth, Brügge

 

I

 

Das hohe Tor scheint keine einzuhalten,

die Brücke geht gleich gerne hin und her,

und doch sind sicher alle in dem alten

offenen Ulmenhof und gehn nicht mehr

aus ihren Häusern, als auf jenem Streifen

zur Kirche hin, um besser zu begreifen

warum in ihnen so viel Liebe war.

 

Dort knieen sie, verdeckt mit reinem Leinen,

so gleich, als wäre nur das Bild der einen

tausendmal im Choral, der tief und klar

zu Spiegeln wird an den verteilten Pfeilern;

und ihre Stimmen gehn den immer steilern

Gesang hinan und werfen sich von dort,

wo es nicht weitergeht, vom letzten Wort,

den Engeln zu, die sie nicht wiedergeben.

 

Drum sind die unten, wenn sie sich erheben

und wenden, still. Drum reichen sie sich schweigend

mit einem Neigen, Zeigende zu zeigend

Empfangenden, geweihtes Wasser, das

die Stirnen kühl macht und die Munde blaß.

 

Und gehen dann, verhangen und verhalten,

auf jenem Streifen wieder überquer -

die Jungen ruhig, ungewiß die Alten

und eine Greisin, weilend, hinterher -

zu ihren Häusern, die sie schnell verschweigen

 und die sich durch die Ulmen hin von Zeit

zu Zeit ein wenig reine Einsamkeit,

in einer kleinen Scheibe schimmernd, zeigen.

 

 

II

 

Was aber spiegelt mit den tausend Scheiben

das Kirchenfenster in den Hof hinein,

darin sich Schweigen, Schein und Widerschein

vermischen, trinken, trüben, übertreiben,

phantastisch alternd wie ein alter Wein.

 

Dort legt sich, keiner weiß von welcher Seite,

Außen auf Inneres und Ewigkeit

auf Immer-Hingehn, Weite über Weite,

erblindend, finster, unbenutzt, verbleit.

 

Dort bleibt, unter dem schwankenden Dekor

des Sommertags, das Graue alter Winter:

als stünde regungslos ein sanftgesinnter

langmütig lange Wartender dahinter

und eine weinend Wartende davor.

 


 © textlog.de 2004 • 21.10.2017 21:29:25 •
Seite zuletzt aktualisiert: 03.08.2005 
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