Der Fahnenträger


Die Andern fühlen alles an sich rauh

und ohne Anteil: Eisen, Zeug und Leder.

Zwar manchmal schmeichelt eine weiche Feder,

doch sehr allein und lieb-los ist ein jeder;

er aber trägt - als trüg er eine Frau -

die Fahne in dem feierlichen Kleide.

 

Dicht hinter ihm geht ihre schwere Seide,

die manchmal über seine Hände fließt.

 

Er kann allein, wenn er die Augen schließt,

ein Lächeln sehn: er darf sie nicht verlassen. -

 

Und wenn es kommt in blitzenden Kürassen

und nach ihr greift und ringt und will sie fassen -:

 

dann darf er sie abreißen von dem Stocke

als riß er sie aus ihrem Mädchentum,

um sie zu halten unterm Waffenrocke.

 

Und für die Andern ist das Mut und Ruhm.


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Seite zuletzt aktualisiert: 09.06.2005 
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