An meinen Drucker


Georg Jahoda zum 60. Geburtstag

 

Genosse einer zeitentfernten Welt,

wo Geben durch sich selbst den Dank erhält:

der, was er gibt, mit seiner Seele gibt

und Lettern hat für Worte, die er liebt;

der nie ermüdend für mein Schaffen schafft,

der fremdem Wesen dient mit eigner Kraft,

rastlos befaßt dem Wort dient mit der Tat,

Mitschöpfer, nicht bloß Wirker am Format;

der seiner Sorge keine Grenze kennt,

mitleidend mitlebendges Instrument,

dem Zweck verbunden, dem ich es vertraut,

werktreu bemüht um den geringsten Laut,

Du, dieses Übermaßes Hut und Hort,

Mitdiener Du am anspruchsvollsten Wort,

der aus dem Wirrsal der unheilgen Schrift

ein Wunderwerk der Worterscheinung trifft,

daß dem, der dem Erfinder nie verzieh,

der Druck erscheint als hellere Magie;

der glaubend, was ich glaubte, mit erschuf,

dem Handwerk treu im innersten Beruf,

der oft mit meinem Zweifel hat gebangt,

Arzt, der an meinem Fieber gern erkrankt:

Du Herz von gutem Schlag, sei mir bedankt!


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