Couplet des Schwarz-Drucker


Im Anfang war die Presse

und dann erschien die Welt.

Im eigenen Interesse

hat sie sich uns gesellt.

Nach unserer Vorbereitung

sieht Gott, daß es gelingt,

und so die Welt zur Zeitung

er bringt.

 

Die Welt war es zufrieden,

die auf die Presse kam,

weil schließlich doch hienieden

Notiz man von ihr nahm.

Auch was sich nicht ereignet,

zu unserer Kenntnis dringt;

wenns nur fürs Blatt geeignet –

man bringt.

 

Wenn auch das Blatt die Laus hat,

die Leser gehn nicht aus;

denn was man schwarz auf weiß hat,

trägt man getrost nachhaus.

Was wir der Welt auch rauben,

sie bringt uns unbedingt

dafür doch ihren Glauben;

sie bringt.

 

Sie lesen, was erschienen,

sie denken, was man meint.

Noch mehr läßt sich verdienen,

wenn etwas nicht erscheint.

Wir schweigen oder schreiben,

ob jener auch zerspringt –

wenn uns nur unser Treiben

was bringt.

 

Die Welt, soweit sie lebend,

singt unsere Melodie.

Wir bleiben tonangebend

von aller Gottesfrüh.

Nach unsern notigen Noten

die Menschheit tanzt und hinkt,

weil Dank sie für die Toten

uns bringt!

 

Die Zeit lernt von uns Mores,

der Geist ist uns zur Hand,

denn als Kulturfaktores

sind wir der Welt bekannt.

Kommt her, Gelehrte, Denker,

komm, was da sagt und singt,

daß hoch hinauf der Henker

euch bringt!

 

Wir bringen, dringen, schlingen

uns in das Leben ein.

Wo wir den Wert bezwingen,

erschaffen wir den Schein.

Schwarz ist's wie in der Hölle,

die auch von Schwefel stinkt,

wohin an Teufels Stelle

man bringt!



Quelle: www.textlog.de

 © textlog.de 2004 •
Seite zuletzt aktualisiert: 22.09.2007 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright Die Fackel: » 1899-1909 » 1910-1919 » 1920-1929 » 1930-1936