Radio


Hat Menschengeist Natur so aufgestört,

daß er sie zwingt, von allem, was da tönt,

ins taube Ohr der Menschheit zu ergießen?

Welch mißgestimmtes Maß im Allgenießen,

wie sie Musik aus allen Sphären hört

und nichts von jedem Jammer, der da stöhnt!

 

O Trost und Trug der Trübsal, die vernimmt,

daß irgendwo die Unbeschwerten tanzen

und irgendwo das Leben ohne Last.

Sie selbst trägt auf dem Rücken ihren Ranzen,

und die das Schicksal an der Kehle faßt,

erfahren, daß die Sänger wohlgestimmt.

 

Verkehrter Fortschritt in die Weltenkluft,

den schmerzvoll die Natur zur Umkehr wendet,

auf daß die Sänger mit den Hörern tauschen.

Erfüllt vom Gram der Erde sei die Luft!

Auf allen Wellen sei das Weh gesendet,

daß alle Frohen allen Seufzern lauschen!

 

Mißton der Menschlichkeit, Choral der Qualen,

stürz in das grausam lustverwöhnte Ohr

und lasse den Diskant der Dinge hören!

Und was als Wehlaut sich ins All verlor,

soll an dem Tag, der diese Schuld wird zahlen,

erschallen euch als die Musik der Sphären!


 © textlog.de 2004 • 24.10.2017 04:11:47 •
Seite zuletzt aktualisiert: 21.09.2007 
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