Du seit langem einziges Erlebnis


Du seit langem einziges Erlebnis

außer dem was ich mir selbst ersonnen,

unerfaßlich nahes Neubegebnis,

das von altersher zu Schlaf geronnen –

 

Wie du bang erwartet an mich blitzest,

lieblich spielst du am Bewußtseinsrande,

bannst mich, ehe du mich ganz besitzest,

bald erkannt in jeglichem Gewande.

 

Eben noch von nie geschauter Schöne,

zwingst du mich als Monstrum dich zu lieben

und erlaubst, daß ich mich leicht gewöhne

an den Anblick einer bösen Sieben.

 

Nun erscheint mit eines Räubers Augen

ganz aus Unheil eine alte Eule.

Aber gleich wirst du mir anders taugen,

denn schon tanzt ein Bär um eine Säule.

 

Was bedeuten alle diese Leute,

die ich nie gesehn und die da staunen,

daß wir uns begegnen hier und heute,

jeder mit so ganz verschiednen Launen.

 

Nichts in mir besinnt sich, was verschulde

dies Getriebe zwischen Tag und Traume.

Wenn ich mich ein Weilchen noch gedulde,

nimmt es mich nach einem neuen Raume.

 

Schon verschieben sich die trüben Sinne

und ich spüre andre Dimensionen.

Und ich weiß nur noch, daß ich beginne

besser bald als irgendwo zu wohnen.



Quelle: www.textlog.de

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Seite zuletzt aktualisiert: 21.09.2007 
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