Januar 1919



Nachruf


»Vater, es wird nicht gut ablaufen,

Bleiben wir von dem Soldatenhaufen.«

Schiller

 

... Nicht dies, sondern, daß die Kerle uns nicht totschießen, ist das Merkwürdigste.

Friedrich der Große

bei einem Parademanöver

 

Man sollte glauben, dieses alles, mit Kunst, Wissenschaft, Tapferkeit und Ehrenpunkt, Leben und Habe, könnte einmal durch ein unberechenbares Versehen in die Luft fliegen. Zu solchen Ereignissen in großartigstem Stile dürfte, nachdem unser Friedenswohlstand dort verpufft wäre, nur noch die langsam, aber mit blinder Unfehlbarkeit vorbereitete allgemeine Hungersnot ausbrechen ...

 

Während jeder Zeitungsschreiber in der Regel nichts anderes repräsentiert als das verkommene Literatentum oder verunglückte reine Geschäftswesen, bilden viele, oder gar alle Zeitungsschreiber zusammen, die ehrfurchtgebietende Macht der »Presse« ...

 

Wie der Patriotismus den Bürger für die Interessen des Staates hellsehend macht, läßt er ihn noch in Blindheit für das Interesse der Menschheit überhaupt, ja, seine wirksamste Kraft übt er darin aus, daß er diese Blindheit, die im gemeinen Lebensverkehre von Mensch zu Mensch oft schon sich bricht, auf das eifrigste verstärkt.

Richard Wagner

 

Ich möchte was drum geben, genau zu wissen, für wen eigentlich die Taten getan worden sind, von denen man öffentlich sagt, sie wären für das Vaterland getan worden.

 

Es soll in einem gewissen Lande Sitte sein, daß bei einem Kriege der Regent sowohl als seine Räte über einer Pulvertonne schlafen müssen, solange der Krieg dauert, und zwar in besondern Zimmern des Schlosses, wo jedermann frei hinsehen kann, um zu beurteilen, ob das Nachtlicht jedesmal brennt. Die Tonne ist nicht allein mit dem Siegel der Volkdeputierten versiegelt, sondern auch mit Riemen an den Fußboden befestigt, die wieder gehörig versie gelt sind. Alle Abend und alle Morgen werden die Siegel untersucht. Man sagt, daß seit geraumer Zeit die Kriege in jener Gegend ganz aufgehört hätten.

 

Es macht den Deutschen nicht viel Ehre, daß anführen so viel heißt, als einen betrügen. Sollte das nicht ein Hebraismus sein?

 

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muß anders werden, wenn es gut werden soll

Lichtenberg

 

Orakel

»Sag an,

wer wird in diesen Kriegen

unterliegen?«

»Der tapfere Mann.«

»Der kann nur siegen!«

»Wohlan!

Weil er nur siegen kann.«

Worte in Versen

 

»O meine Bürger, welch ein Fall war das!«

Shakespeare


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