Typhus

Typhus Bezeichnung für verschiedene schwere Infektionskrankheiten. 1. Typhus abdominalis, AUTENRIETH Tübinger Arzt 1772—1835, Unterleibstyphus, Typhus im engeren Sinne, Nervenfieber, i. d. Regel durch die im Blut, Ausleerungen und in den Roseolen nachweisbaren EBERTHschen Typhusbazillen verursachte akute Infektionskrankheit (s. unten) mit geschwürigen Veränderungen im Darm (vgl. PEYERsche Haufen), hohem Fieber, Milzschwellung, spärlichem Roseolaausschlag am Rumpf, häufig mit Durchfall: erbsensuppenartiger Typhusstuhl, mit Benommenheit und Delirien. Besondere Lokalisationen des Typhuserregers führen zu Lungen- oder Nierenentzündung, Pneumotyphus, Nephrotyphus. Der Bazillus ist ein kurzes, plumpes Stäbchen, durch zahlreiche Geißeln beweglich, gramnegativ, färbbar nach ZIEHL NEELSEN, auch einfaches Methylenblau. Geißelfärbung s. d. Zucht auf Rindergallebouillon bei 37° (steril käuflich) (s. d.) und Nährböden nach DRIGALSKI, Endo, Malachitgrün, Neutralrot (s. d.) zur Unterscheidung vom Bakterium coli, Paratyphus usw. Gewöhnlicher Verlauf ist: Inkubationszeit 10—20 Tage. Vorläufer: Kopfschmerz, Mattigkeit, Appetitlosigkeit. 1. Woche: Infiltration der Plaques. Temperatur innerhalb 4 Tage auf 40° und mehr. Kein Schüttelfrost (d. h. also kein plötzlicher Anstieg, höchstens etwas Frösteln) kein Herpes oder Schnupfen und in der Regel — das Merkmal des Praktikus: kein Schweiß. Palpabler Milztumor. Stuhl angehalten. "Status typhosus". 2. Woche: Schorfbildung auf Plaques. Febris continua remittens. Puls im Verhältnis zur Höhe des Fiebers wenig beschleunigt. Zwischen 6 bis 10 Tag an Brust und Bauch Roseolen. "Erbsensuppenstuhl". 2—4 mal pro Tag. Eventuell febrile Albuminurie. 3. Woche: Abstoßung der Schorfe, Geschwürsbildung. Fieber mit tiefen Morgenremissionen (= Amphibolisches Stadium). Bei günstiger Wendung freieres Sens., sonst Sopor. Gefahr der Darmblutung oder Perforations-Peritonitis oder lobulärer Pneumonie. 4. Woche: Heilung der Geschwüre. Lytischer Fieberabfall. Nicht ganz selten: Nachfieber = Rekrudeszenzen infolge lenteszierender Geschwüre und richtige Rezidive. Abortiv-Typhus Fälle mit Anfangserscheinungen eines schweren Typhus, die nach einigen Tagen in die Genesung überleiten. Ambulanter Typhus, gastrisches Fieber leichte Fälle, die den Kranken kaum ans Bett fesseln. (Sehr ähnliche Krankheitserscheinungen können durch die A.- und B. Paratyphusbazillen, die sich aber durch Vergärung von Traubenzucker unterscheiden, und durch den Bacillus enteritis (GÄRTNER) bei Fleischvergiftung hervorgerufen werden. Hauptsächliche Unterscheidung: plötzlicher Beginn mit Schüttelfrost, Durchfall und steilem Temperaturanstieg. Die hauptsächliche Typhus-Quelle sind die Bazillenträger = Dauerausscheider von Typhus-Bazillen in Stuhl und Harn, Sitz gewöhnlich der Gallenblase, weshalb auch Entfernung dieser vorgenommen wurde (BERSCH). — Anzeigepflicht! — Diagnose in der ersten Woche oft fast unmöglich. Am deutlichsten durch Inkongruenz von Puls und Fieber, Milztumor. EHRLICHs Diazoreaktion fehlt zwar bei Meningitis, kommt aber auch bei Miliartuberkulose vor. Beweisend sind nur GRUBER-WIDAL (s. GRUBER-DURHAM), jedenfalls bei öfterer Wiederholung: Ansteigen (bei 1—3 Monate zurückliegender Schutzimpfung wertlos), s. a, FORNETs Probe, ferner die Leukopenie: Lymphozytose bei Fehlen der Eosinophilen, Blutkultur mit Galleröhrchen (CONRADI-KAYSER) (s. d.) und natürlich der direkte Bazillennachweis. Für Bazillennachweis und Blutgallen-Material möglichst früh einsenden, für WIDAL vom Beginn der 2. Woche. Die wirksame Typhus-Schutzimpfung beruht in Einspritzung von (durch Erhitzung auf 60° oder in Frankr. Schütteln mit Äther) abgetöteter Typhus-Bazillen Aufschwemmung, aus mehreren Typhusstämmen. Im Verlauf von 10 Tagen 3 Einspritzung, zu je 1 ccm. Geimpfte zeigen bis zu 5 Monaten die WIDAL-Reaktion. Eine Prüfung (durch WIDAL), ob eine Erkrankung während dieser Zeit etwa Typhus ist, ist also ausgeschlossen, s. a. Typhin. 2. Typhus exanthematicus (= petechialis, s. d.) s. Fleckfieber. 3. Typhus recurrens, Rückfalltyphus s. Rekurrens. 4. Typhus biliosus GRIESINGER deutscher Kliniker 1817—1868, WEILsche Krankheit. 5. Knochen-Typhus, Osteomyelitis. 6. Typhus amaril span. Gelbfieber.


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Seite zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 
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