"Verblassen" der Metapher


So führt der Weg der Sprache von der dichterischen oder freien Metapher zu der gewöhnlichen oder notwendigen Verbindung, wie er im sogenannten Sprachgebrauch vorliegt. Dafür bietet die Geschichte jeder einzelnen Sprache ein einziges großes Beispiel. Wer die Sprache historisch überblickt, sieht überall ein Abblassen der metaphorischen Anwendung in dem Augenblicke, wo die Metapher aus dem Sprachgefühl verschwunden ist. Dieses Abblassen kann sich sogar auf den Ton der Sprache erstrecken. Es kann der Befehlston den Sinn einer Frage erhalten; wie umgekehrt der bittende oder fragende Ton den Sinn eines Befehls gewinnen kann. So wenn ich in einen Buchladen trete und höflich nach einem bestimmten Buche frage; der Buchhändler errät, dass ich dieses Buch zu kaufen wünsche. Zu solchen gewissermaßen verstärkenden Anwendungen des Sinnes will der Ausdruck "verblassen" nicht recht stimmen; er ist auch nicht gut gewählt, weil er selbst wieder eine mangelhafte Metapher ist und von einem sichtbaren Bilde auf eine Art Werturteil ausgedehnt worden ist.

 

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