Klingklang-Theorie


Die Klingklang-Theorie ist unter diesen drei Hypo thesen die jüngste, wenn sie auch bereits von dem Sprachphilosophen Heyse vorgeahnt worden ist. Max Müller war ihr Prophet, um sie dann ein wenig zu verleugnen und sie seinen Aposteln zu überlassen. Es wird in dieser Lehre behauptet, dass jeder Körper, wenn er in Bewegung gesetzt wird, einen Schall errege; der Schall des Menschen sei seine Sprache, so wie der Schall der Bronze der Glockenton, der Schall des Baches sein Rauschen sei. Es scheint mir nicht einmal nötig, diese Weisheit durch Spott ad absurdum zu führen. Denn der Schall des in Bewegung gesetzten Menschen dürfte doch viel natürlicher als in der Sprache in anderen Geräuschen zu suchen sein; der Mensch klingt, wenn ihm fünfundzwanzig aufgezählt werden, er schreit sogar dabei, er rülpst, wenn er zu viel gegessen hat, und vollführt weiter derlei Geräusche. Sie sind aber allesamt zu keiner Sprache ausgebildet worden. Selbst der Wind-Virtuose in Zolas La Terre spricht nicht auf dem Wege, der ihm beliebt. Im Ernste: diese Klingklang-Theorie tut nichts, als dass sie die menschliche Sprache äußerst töricht und einseitig mit etwas vergleicht, was unter dem höheren Begriff "Schall" gerade den Gegensatz zur Sprache darstellt, weil sie sich doch von allen anderen Naturgeräuschen eben durch ihre willkürliche Artikulation unterscheidet. Diese Theorie hat nicht einmal so viel Phantasie, um der Sprache eine noch so armselige Kraft zugrunde zu legen. Nach ihr würde die Sprache in der Akustik abzuhandeln sein; ein Echo wäre ebensoviel wie Sprache.


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Seite zuletzt aktualisiert: 06.09.2006 
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