Deutsche Isolierung


Einen isolierenden Charakter scheint mir unsere Sprache immer da anzunehmen, wo von ihr — ich möchte sagen — der ursprünglichste Gebrauch gemacht wird: bei den Mitteilungen, die Befehle sind. Man darf dabei nur nicht zuviel Gewicht legen auf die Einsilbigkeit, die übrigens in der gewohnten Aussprache dennoch beinahe erreicht wird. Es läßt sich das sowohl in der offiziellen Kommandosprache des Heeres bemerken als in den Befehlen, die man in diesen Kreisen auch privatim seinem Diener erteilt. "Marsch", "Aug'n rechts!" "Lad'n", aber auch: "Flasche Wein bringen" anstatt "Bringen Sie mir eine Flasche Wein". Wie immer auch dieser Jargon in der preußischen Armee entstanden sein mag (ich möchte vermuten, dass ursprünglich eine beabsichtigte Unhöflichkeit oder ein Ausweichen vor der höflicheren Anrede der Grund war), sein bekannter Gebrauch beweist, dass unser Sprachgefühl gerade in wichtigen Fällen der Mitteilung auch ohne Flexion auskommt.


 © textlog.de 2004 • 12.12.2017 03:43:27 •
Seite zuletzt aktualisiert: 06.09.2006 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright