Jerusalem


(An ein Dienstmädchen in Straßburg i.d. Uckermark)

 

Mein Gold, was sagst denn du dazu,

Daß mich ein Flieger nach Jeru-

Salem hat mitgenommen?

Man ißt hier gut und trinkt sehr viel,

Und zweimal bin ich schon am Nil

Im Delta rumgeschwommen.

 

Die Stadt hat sehr viel Ähnlichkeit

Und urantike Hallen.

Jedoch man wird von Zeit zu Zeit

Von Räubern angefallen.

 

Die Leute hier sind ziemlich braun

Und heißen Zionisten;

Inwendig aber sind die Fraun

Genau wie bei uns Christen.

 

Ich habe zehn Moscheen gesehn

Und sprach mit Beduinen.

Ihr Türkisch könnt' ich nicht verstehn,

Wohl aber ihre Mienen.

 

Am Sonntag kam auf einem Gnu

Der Sultan aus der Wüste,

Und als ich keck ihn mit

»Jeru-Salem Aleikum!« grüßte,

 

Da lud er mich in sein Palais

Und ließ mich dort entkleiden

Und schenkte mir sein Portemonnaie

Und wollte mich beschneiden.

 

Ich aber schlich mich leise fort

Und floh im weiten Bogen. —

Mein liebes Gold, auf Ehrenwort:

Ich hab' noch nie gelogen.



Quelle: www.textlog.de

 © textlog.de 2004 •
Seite zuletzt aktualisiert: 08.08.2005