Vorm Brunnen in Wimpfen


Du bist kein du,

Wasser. — Hättest nicht Ruh,

Mich auszuhören.

Ihr fließet immerzu

Und immer weiter und möglichst weit.

 

Wie euch der Brunnen aus eisernen Röhren

In den heißen Althäuserplatz speit,

Erdengeläutert und ausgekühlt;

Da ihr alte und neue Zeit

Und den Himmel abkonterfeit, —

 

Siehet mein durstiges Staunen

In euch doch immerzu andre.

Immer wieder mit über den Rand gespült,

Fängt es aus eurem Raunen

Nur eines auf: Wandre!

 

Von euch möcht ich trinken.

 

Ihr würdet lau, wenn ihr stehen bliebt,

Ihr würdet trüb. Ihr würdet verweilend

Faulen und stinken.

 

Was kümmert's euch, daß ein Mensch euch liebt.

Dauernd zerteilt euch selber enteilend,

Seid ihr getrieben ein treibendes

Ganzes, rein Bleibendes.


 © textlog.de 2004 • 18.12.2017 04:21:10 •
Seite zuletzt aktualisiert: 08.08.2005 
Abuse Trap
  Home  Impressum  Copyright