Aus dem Tagebuch eines Bettlers


Ich klingelte. Ich bettelte um Brot.

Um alte Sachen.

 

Ich beschrieb anschaulich die Not.

Ich kann so eine jämmerliche Miene machen.

Meine Familie sei teils hungrig, teils tot.

 

Nur ein kleines, hartes, verschimmeltes Restchen Brot,

Womit ich eigentlich Geld meinte.

 

Der Herr verneinte.

 

Ich versuchte diverse Gebärden.

Ich kann so urplötzlich ganz mager werden.

Ich taumelte krank.

Ich — stank.

 

Da wurde ich gepackt.

 

Fünf Minuten später war ich nackt.

 

In einer Wanne im Bad

Bei dreißig Grad.

 

Ich weinte. — Ich wußte:

Hier half kein Beteuern.

Man fing an, meine Kruste

Herunterzuscheuern.

 

Dieser Herr war ein Schelm.

 

Ich wurde auf die Straße gestoßen.

Ich fand mich in schwarzen Hosen,

Lackschuhen, Frack und Tropenhelm.

 

Ich fand kein Geld. — Mir wurde bang,

Ich fand nur ein Trambahn-Abonnement.

 

Und ich ging auf die Reise,

Fuhr mit der Sechzehn stundenlang

Immer im Kreise.

 

Was halfen die noblen Sachen?

 

Ich bettelte. Probeweise.

Ich kann so eine kummervolle Miene machen.

Aber die Leute begannen zu lachen

Und die Haltestelle zu verpassen.

 

Ich sann auf einen Schlager.

Ich wurde urplötzlich ganz mager.

 

Ich wurde gewaltsam aus der Trambahn heruntergelassen.

 

Da waren die Anlagen und Gassen

Auf einmal ganz traurig und fremd.

 

Als ich aus dem Pfandhause kam,

Trug ich nur noch Hose, Barfuß und Hemd.

 

Ich mußte mir einen Anzug leih'n.

Ich ging mit der Gräfin Mabelle,                         .

Die eigentlich eine Büfettmamsell

Ist und gesucht wird, in ein Hotel.

Wir speisten: Hirschbraten mit Knickebein.

Wir sangen zu zwei'n:

»Wer hat uns getraut — ...«

Und zuletzt, ganz laut:

»Wohlauf, noch getrunken den funkelnden Wein...«


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Seite zuletzt aktualisiert: 07.08.2005 
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