Unser älteres Herz, ihr Freunde


IV

 

Unser älteres Herz, ihr Freunde, wer vordenkts,

jenes vertraute, das uns noch gestern bewegt,

unwiederbringliche? Keiner

fühlt es wieder zurück, kein dann noch Seiender,

hinter der hohen Verwandlung.

Denn ein Herz der Zeit, einer immer noch unauf-

gelebten Vorzeit älteres Herz

hat das nahe verdrängt, das langsam andere,

unser errungenes. Und nun

endiget, Freunde, das plötzlich

zugemutete Herz, braucht das gewaltsame auf!

Rühmend: denn immer wars rühmlich,

nicht in der Vorsicht einzelner Sorge zu sein, sondern in einem

wagenden Geiste, sondern in herrlich

gefühlter Gefahr, heilig gemeinsam. Gleich hoch

steht das Leben im Feld in den zahllosen Männern, und mitten in jedem

tritt ein gefürstetér Tod auf den erkühntesten Platz.

Aber im Rühmen, o Freunde, rühmet den Schmerz auch,

rühmt ohne Wehleid den Schmerz, daß wir die Künftigen nicht

waren, sondern verwandter

allem Vergangenen noch: rühmt es und klagt.

Sei euch die Klage nicht schmählich. Klaget. Wahr erst

wird das unkenntliche, das

keinem begreifliche Schicksal,

wenn ihr es maßlos beklagt und dennoch das maßlos,

dieses beklagteste,seht: wie ersehntes begeht.


 © textlog.de 2004 • 19.11.2017 02:18:35 •
Seite zuletzt aktualisiert: 04.08.2005 
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