An den Engel


Starker, stiller, an den Rand gestellter

Leuchter: oben wird die Nacht genau.

Wir vergeben uns in unerhellter

Zögerung an deinem Unterbau.

 

Unser ist: den Ausgang nicht zu wissen

aus dem drinnen irrlichen Bezirk,

du erscheinst auf unsern Hindernissen

und beglühst sie wie ein Hochgebirg.

 

Deine Lust ist über unserm Reiche,

und wir fassen kaum den Niederschlag;

wie die reine Nacht der Frühlingsgleiche

stehst du teilend zwischen Tag und Tag.

 

Wer vermöchte je dir einzuflößen

von der Mischung, die uns heimlich trübt,

du hast Herrlichkeit von allen Größen,

und wir sind am Kleinlichsten geübt.

 

Wenn wir weinen, sind wir nichts als rührend,

wo wir anschaun, sind wir höchstens wach,

unser Lächeln ist nicht weit verführend,

und verführt es selbst,wer geht ihm nach?

 

Irgendeiner. Engel, klag ich, klag ich?

Doch wie wäre denn die Klage mein?

Ach, ich schreie, mit zwei Hölzern schlag ich,

und ich meine nicht, gehört zu sein.

 

Daß ich lärme, wird an dir nicht lauter,

wenn du mich nicht fühltest, weil ich bin.

Leuchte, leuchte! Mach mich angeschauter

bei den Sternen. Denn ich schwinde hin.


 © textlog.de 2004 • 24.10.2017 00:46:19 •
Seite zuletzt aktualisiert: 05.08.2005 
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