Drei Gedichte aus dem Umkreis: Spiegelungen


I

 

O schöner Glanz des scheuen Spiegelbilds!

Wie darf es glänzen, weil es nirgends dauert.

Der Frauen Dürsten nach sich selber stillts.

Wie ist die Welt mit Spiegeln zugemauert

 

für sie. Wir fallen in der Spiegel Glanz

wie in geheimen Abfluß unseres Wesens;

sie aber rinden ihres dort: sie lesens.

Sie müssen doppelt sein, dann sind sie ganz.

 

Oh, tritt, Geliebte, vor das klare Glas,

auf daß du seist. Daß zwischen dir und dir

die Spannung sich erneue und das Maß

für das, was unaussprechlich ist in ihr.

 

Gesteigert um dein Bild: wie bist du reich.

Dein Ja zu dir bejaht dir Haar und Wange;

und überfüllt von solchem Selbstempfange,

taumelt dein Blick und dunkelt im Vergleich.

 

II

 

Immer wieder aus dem Spiegelglase

holst du dich dir neu hinzu;

ordnest in dir, wie in einer Vase,

deine Bilder. Nennst es du,

 

dieses Aufblühn deiner Spiegelungen,

die du eine Weile leicht bedenkst,

eh du sie, von ihrem Glück bezwungen,

deinem Leibe wiederschenkst.

 

III

 

Ach, an ihr und ihrem Spiegelbilde,

das, wie Schmuck im schonenden Etui,

in ihr dauert, abgelegt ins Milde, —

ruht der Liebende; abwechselnd sie

 

fühlend und ihr inneres Geschmeid ...

Er: kein eignes Bild in sich verschließend;

aus dem tiefen Innern überfließend

von gewußter Welt und Einsamkeit.


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Seite zuletzt aktualisiert: 05.08.2005 
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