Christi Höllenfahrt


Endlich verlitten, entging sein Wesen dem schrecklichen

Leibe der Leiden. Oben. Ließ ihn.

Und die Finsternis fürchtete sich allein

und warf an das Bleiche

Fledermäuse heran, immer noch schwankt abends

in ihrem Flattern die Angst vor dem Anprall

an die erkaltete Qual. Dunkle ruhlose Luft

entmutigte sich an dem Leichnam; und in den starken

wachsamen Tieren der Nacht war Dumpfheit und Unlust.

Sein entlassener Geist gedachte vielleicht in der Landschaft

anzustehen, unhandelnd. Denn seiner Leidung Ereignis

war noch genug. Maßvoll

schien ihm der Dinge nächtliches Dastehn,

und wie ein trauriger Raum griff er darüber um sich.

Aber die Erde, vertrocknet im Durst seiner Wunden,

aber die Erde riß auf, und es rufte im Abgrund.

Er, Kenner der Martern, hörte die Hölle

herheulend, begehrend Bewußtsein

seiner vollendeten Not: daß über dem Ende der seinen

(unendlichen) ihre, währende Pein erschrecke, ahne.

Und er stürzte, der Geist, mit der völligen Schwere

seiner Erschöpfung herein: schritt als ein Eilender

durch das befremdete Nachschaun weidender Schatten,

hob zu Adam den Auf blick, eilig,

eilte hinab, schwand, schien und verging in dem Stürzen

wilderer Tiefen. Plötzlich (höher, höher) über der Mitte

aufschäumender Schreie, auf dem langen

Turm seines Duldens trat er hervor: ohne Atem,

stand ohne Geländer, Eigentümer der Schmerzen, schwieg.


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Seite zuletzt aktualisiert: 04.08.2005 
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