Gebet für die Irren und Sträflinge


Ihr, von denen das Sein

 leise sein großes Gesicht

wegwandte: ein

vielleicht Seiender spricht

 

draußen in der Freiheit

langsam bei Nacht ein Gebet:

Daß euch die Zeit vergeht,

denn ihr habt Zeit.

 

Wenn es euch jetzt gedenkt,

greift euch zärtlich durchs Haar:

alles ist weggeschenkt,

alles, was war.

 

Oh, daß ihr stille bliebt,

wenn euch das Herz verjährt;

daß keine Mutter erfährt,

daß es das gibt.

 

Oben hob sich der Mond,

wo sich die Zweige entzwein,

und, wie von euch bewohnt,

bleibt er allein.


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Seite zuletzt aktualisiert: 03.08.2005 
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