Lied eines theokritischen Ziegenhirten


Da lieg' ich, krank im Gedärm, —

Mich fressen die Wanzen.

Und drüben noch Licht und Lärm!

Ich hör's, sie tanzen ...

 

Sie wollte um diese Stund'

Zu mir sich schleichen.

Ich warte wie ein Hund, —

Es kommt kein Zeichen.

 

Das Kreuz, als sie's versprach?

Wie konnte sie lügen?

— Oder läuft sie Jedem nach,

Wie meine Ziegen?

 

Woher ihr seid'ner Rock? —

Ah, meine Stolze?

Es wohnt noch mancher Bock

An diesem Holze?

 

— Wie kraus und giftig macht

Verliebtes Warten!

So wächst bei schwüler Nacht

Giftpilz im Garten.

 

Die Liebe zehrt an mir

Gleich sieben Übeln, —

Nichts mag ich essen schier.

Lebt wohl, ihr Zwiebeln!

 

Der Mond ging schon in's Meer,

Müd sind alle Sterne,

Grau kommt der Tag daher, —

Ich stürbe gerne.


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Seite zuletzt aktualisiert: 22.07.2005 
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