Fleck des deutlichsten Denkens


Es ist eine bekannte Tatsache, daß unser Bewußtsein zu eng ist, um auf einmal auch nur einen Bruchteil derjenigen Vorstellungen aktuell zu umfassen, die uns theoretisch und virtuell zur Verfügung stehen. Ich könnte jetzt die Feder hinlegen, um mich durch Gedankenassoziationen vom Wort "Feder" hinweg langsam über tausend mir geläufige Vorstellungen leiten zu lassen. Will ich aber denken, d. h. bei meiner Sache bleiben, so stehen jetzt nur die paar Vorstellungen in meinem Bewußtsein, die gerade mit dieser Frage, der nach der Enge des Bewußtseins, zu tun haben.

Nun ist es offenbar, daß wir im Gehirn etwas Ähnliches haben müssen wie den gelben Fleck auf der Netzhaut, die macula lutea, auf welche wir das Bild der Außenwelt fallen lassen müssen, wenn wir es deutlich betrachten wollen. Von der entsprechenden Tätigkeit des Gehirns, die aber vorhanden sein muß, haben wir ganz und gar keine Vorstellung. Und ich kann nur ganz wüst vermuten, daß wir so eine Vorstellung, die wir festhalten wollen, an ihrem Wortzeichen festbinden, daß wir sie beim Worte nehmen müssen.

 

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